FAZ| Neonazi-Netzwerke weit über Nordhessen hinaus


Der NSU-Ausschuss vernimmt ehemalige Rechtsextremisten. Neue Erkenntnisse zum Kasseler Mord ergeben sich nicht, dafür aber wie die Szene aufgestellt war und was sie zusammengehalten hat.

17.04.2016, von RALF EULER, WIESBADEN

Die Vernehmung zweier früherer hessischer Neonazis im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat den Verdacht der Opposition erhärtet, dass die rechtsextreme Szene Nordhessens zu Zeiten des Kasseler NSU-Mordes 2006 über die Landesgrenzen hinaus gut vernetzt war. So hätten Kontakte zu Gleichgesinnten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt bestanden. Verbindungen in der Szene habe es durch ganz Deutschland gegeben, berichtete einer der beiden inzwischen aus dem Neonazi-Milieu ausgestiegenen Zeugen. Die Hoffnung der Oppositionsfraktionen SPD, Linke und FDP, die Vernehmungen könnten Hinweise auf mögliche Unterstützer des NSU-Mördertrios ergeben, erfüllten sich indes nicht. Ziel des Ausschusses ist es, die Hintergründe des vor zehn Jahren verübten Mordes an dem Kasseler Internetcafébetreiber Halit Yozgat aufzuhellen.

Das rechtsextreme Netzwerk sei nicht zuletzt durch einschlägige Musikveranstaltungen zusammengehalten worden, berichtete Oliver Podjaski. Der 51 Jahre alte frühpensionierte Postbeamte war nach eigenen Worten vor allem in der rechtsextremen Rockszene aktiv und gründete 1996 in Kassel die Band „Hauptkampflinie“. Wenn es Schwierigkeiten gegeben habe, für Konzerte eine Genehmigung zu erhalten, sei häufig die NPDals Anmelder solcher Veranstaltungen eingesprungen.

„In der rechten Szene wird viel erzählt“

 

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