FAZ| Wenn Lieder töten könnten


Ein Neonazi aus Nordhessen singt Lieder darüber, wie es sich als „brauner Terrorist“ wohl so lebt. In Wiesbaden rechtfertigt er derartige Lieder als bloße „Unterhaltung“.

19.04.2016, von RALF EULER, WIESBADEN

„Die Kaffer müssen um ihr Leben rennen, denn trotz der hohen Spritpreise sind ihre Häuser am Brennen.“ Das musikalische Machwerk, aus dem diese Zeilen stammen, trägt den Titel „Brauner Terrorist“. Aber was ist das für ein Wesen, das derart Menschenverachtendes komponiert, textet und singt? „Ich bin ein Attentäter, bestrafe all die Volksverräter, ich bin ein Rassist, so ein richtig brauner Terrorist“, heißt es in dem Lied. Genau das sei er aber keineswegs, behauptet Philip Tschentscher, der als rechtsextremer Liedermacher unter dem Künstlernamen „Reichstrunkenbold“ auftritt und der in Österreich eine Haftstrafe wegen Waffenhandels und Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts verbüßen musste. Der 34 Jahre alte Nordhesse, der sich als Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags präsentieren durfte, sieht sich als „Patriot“ und „Nationalist“, der lediglich versuche, seinem Publikum mit „nationalen Liedern“ Heimatliebe und Stolz auf ihr Vaterland zu vermitteln.

Sein gewaltverherrlichender Song sei bei einer Veranstaltung hinter verschlossenen Türen ohne sein Wissen aufgenommen und heimlich auf eine CD mit dem Titel „Viel Asche um Nichts“ gepresst worden, deren Cover ein Verbrennungsofen ziert, berichtet Tschentscher den ungläubigen Ausschussmitgliedern. „Ich habe weder Geld dafür bekommen, noch bin ich gefragt worden.“ Mehr noch: „Zu diesen Texten stehe ich nicht“, behauptet der Urheber auf Nachfrage. Wenn jemand in Liedern zum Mord aufrufe, heiße das schließlich nicht, dass er Morde tatsächlich gutheiße. Er habe lediglich „Unterhaltung gemacht“.

 

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