FAZ| Mit maximaler Schlagkraft gegen Rechtsextreme


Die GSG 9 nimmt in Freital bei Dresden eine gefährliche Neonazi-Gruppe auseinander. Hat die sächsische Polizei versagt – oder gute Vorarbeit geleistet für den Generalbundesanwalt?

25.04.2016, von PETER CARSTENS

Die Szenerie erinnert an amerikanische Western: Irgendwo in der Prärie gerät die Welt aus den Fugen. Gesetzlose terrorisieren die Gegend. Eine Kleinstadt in Angst. Der Bürgermeister verbarrikadiert sich. Der Sheriff schaut weg, er ist doch nicht lebensmüde. Irgendwann ist es genug: Die Bundesmarshalls reiten ein. Große Hüte, schwarze Hengste, Winchester-Gewehre. Mit scharfer Munition und Verhaftungen wird die Ordnung wieder hergestellt. Eine friedliche Zukunft beginnt.

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Freital ist nicht Tombstone. Aber auch in der grauen Kleinstadt im hinteren Sachsen hatte sich in den vergangenen Monaten allerlei zusammengebraut. Es begann mit lautstarken, rassistisch untermalten Protesten gegen die Asylunterkunft im ausrangierten „Hotel Leonardo“. Es ging weiter mit Überfällen auf Flüchtlingshelfer, Böller-Anschlägen auf Abgeordnetenbüros, aufgeschlitzten Reifen und Nazi-Schmierereien. Mehrfach wurden Asylbewerber angegriffen und geschlagen. Ein Fall für den Generalbundesanwalt? Noch nicht.

Sechs von 260 zu Haftstrafen verurteilt

Nachdem zwei Marokkaner in einem Regionalbus Mädchen und junge Frauen bedrängt hatten, formierte sich von April 2015 an im Netz und auf der Straße der Hass zur selbst ernannten „Bürgerwehr FTL 360“, benannt nach der Buslinie zwischen Dresden und Zinnwald an der tschechischen Grenze. Mitglieder der Freitaler Gruppe radikalisierten sich offenbar rasch. Es gab weitere Anschläge, Mitte Oktober ein Sprengstoff- und Buttersäureattentat auf ein alternatives Wohnprojekt in Dresden, Anfang November auf ein Asylbewerberheim. Das war der siebte Anschlag auf Asylunterkünfte in der Gegend.

 

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