FreiePresse| „Auf Wähler zugehen, nicht auf die AfD“


Der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke warnt die etablierten Parteien vor populistischen Nachahmungen

erschienen am 02.05.2016

Berlin. Die AfD hat sich in Stuttgart ein Programm gegeben. Die etablierten Parteien suchen indes weiter nach Strategien, um der rechtskonservativen Gruppierung zu begegnen. Alessandro Peduto hat darüber mit dem Berliner Politologen Hajo Funke gesprochen.

Freie Presse: Die etablierten Parteien wirken angesichts des AfD-Erfolgs nervös. Im Umgang mit dem Islam oder in der Flüchtlingspolitik schlagen auch sie schärfere Töne an. Ist der AfD damit beizukommen?

Hajo Funke: Dass die anderen Parteien besorgt sind, ist zu verstehen. Die AfD hat sich am Wochenende mit einem bewusst undifferenzierten, islamfeindlichen Programmbeschluss als deutschnationale-rechtsradikale Kraft präsentiert. Das beunruhigt. Dennoch sollten die anderen Parteien damit souverän umgehen, indem sie die Rechtsstaatlichkeit, die Menschenwürde und die Freiheitlichkeit verteidigen und sich klar abgrenzen von Ressentiments und Gewalt. Sie sollten aber gleichzeitig die Sorgen und Ängste der Menschen aufgreifen.

Welche Sorgen meinen Sie genau?

Hinter dem Erfolg der AfD stehen auch Entfremdungserfahrungen gegenüber Politik und Demokratie, die sich verstetigt haben. Das müssen die Parteien direkt ansprechen. Wir brauchen eine antwortende und keine arrogant erscheinende Politik. Dann schöpfen die Menschen neues Vertrauen. Falsch ist es dagegen, wenn die Parteien programmatisch der AfD folgen. Es ist beispielsweise nicht souverän, wenn Unionsfraktionschef Kauder kurz vor dem AfD-Parteitag eine härtere Gangart gegenüber den islamischen Gemeinden fordert. Diese Strategie ist unsinnig, denn sie setzt auf Nachahmung der AfD. Das Mittel gegen Rechtspopulismus ist gute Politik. Und die Parteien müssen untersuchen, warum sie Wähler verlieren.

 

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