BR| Drei Jahre NSU-Prozess: Auf der Zielgeraden


Dass der NSU-Prozess ein Mammut-Verfahren werden würde, daran bestand von Beginn an kein Zweifel. Dass er allerdings selbst nach drei Jahren immer noch nicht vorbei sein würde, damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Inzwischen zeichnet sich ein Ende ab. Längst ist aber auch klar: Die hohen Erwartungen an den Prozess werden enttäuscht werden.

Von: Thies Marsen

Stand: 05.05.2016 |

Es ist nicht so, dass der NSU-Prozess in seinem dritten Jahr keine Überraschungen mehr zu bieten gehabt hätte. Ganz im Gegenteil: Man denke nur an die plötzliche Aussagebereitschaft der Hauptangeklagten Beate Zschäpe im vergangenen Herbst. Doch so groß die öffentliche Aufregung damals auch war, der Ertrag war eher gering. Nicht nur weil Zschäpe weiterhin stumm blieb und nur schriftliche Erklärungen vorlegte, die von ihrem Anwalt vortragen wurden und zu denen nur der Richter Nachfragen stellen durfte.

Heimchen am Naziherd

Zschäpe gab außerdem nur das zu, was ihr ohnehin bereits weitgehend nachgewiesen war. Sie stellte sich als vom Alkohol dauerbenebeltes Heimchen am Naziherd dar, wies jede Mitwisserschaft an den von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt begangenen Morden und Anschlägen weit von sich, gab keinerlei neue Einblicke in die Neonaziszene, enttarnte keinen einzigen bisher unbekannten NSU-Unterstützer und war sichtlich bemüht, ihre Mitangeklagten Ralf Wohlleben und André E. zu entlasten.

Die Taktik war so offensichtlich, dass man sie eigentlich nur perfide nennen kann. Das gleiche gilt auch für Zschäpes sogenannte „Entschuldigung“ bei den Opferangehörigen, die sie hauptsächlich dazu nutzte, jegliche Verantwortung für die Morde abzustreiten. Trotz Aussage dürfte es eng werden für Beate Zschäpe: Kaum ein Beobachter zweifelt daran, dass sie am Ende eine hohe Haftstrafe erhalten wird. Und ähnlich dürfte es auch bei ihrem Mitangeklagten Ralf Wohlleben ausschauen. Durch Zschäpes überraschende Aussagebereitschaft sah sich Wohlleben im dritten Prozess-Jahr ebenfalls zum Reden gezwungen. Und anders als Zschäpe redete er tatsächlich, beantwortete sogar Nachfragen der Nebenkläger.

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