FP| NSU: Wusste der Staat von den Morden?


Gab es V-Mann-Führer, die von den NSU-Morden wussten? Diese Frage stellt Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau – und kritisiert die Bundesanwaltschaft.

Von Jens Eumann
erschienen am 05.05.2016

Zwickau. Schon im Februar 2013 hatte die Bundesanwaltschaft auf „Freie Presse“-Anfrage abgewinkt. Damals war bekannt geworden, dass die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe während ihrer Zeit im „Nationalsozialistischen Untergrund“ in einer Zwickauer Boutique ein- und ausgegangen sein soll. Betrieben wurde der Laden „Heaven and Hell“ vom örtlichen Neonazi Ralf Marschner. Dieser wurde später als V-Mann „Primus“ des Bundesamtes für Verfassungsschutz enttarnt.

Der Hinweis, den Marschners Mitbesitzer dieser Boutique zur Zeit der NSU-Ermittlungen gegeben habe, sei nicht stichhaltig, so die Bundesanwaltschaft 2013. Seit April 2016 gibt es zudem den Hinweis, dass Uwe Mundlos bei einer ebenfalls von V-Mann „Primus“ betriebenen Zwickauer Baufirma als Vorarbeiter gejobbt haben soll. Doch das hält man in Deutschlands oberster Strafverfolgungsbehörde für ebenso irrelevant wie den Hinweis auf Marschners Zschäpe-Kontakt. „Na und?“, war die Reaktion einer Sprecherin auf eine entsprechende Anfrage der „Freien Presse“. Und das, obwohl der V-Mann zur Zeit zweier dem NSU zugeschriebenen Morde Autos gemietet hatte: Laut Abrechnung legten diese Fahrzeuge Strecken zurück, die mit Fahrten von Zwickau zu den Tatorten übereinstimmen. Für den NSU-Prozess, in dem die Schuldfrage von Zschäpe und vier weiteren Angeklagten zu klären sei, sei das unerheblich, argumentieren die Bundesanwälte in München. Der NSU-Aufklärerin und Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Linke) scheint das ein Unding. Für den Bundestags-Untersuchungsausschuss habe man nun sämtliche Akten zu V-Mann Ralf Marschner angefordert. Es gehe schließlich um die Frage: „Gab es V-Leute, aber auch V-Mann-Führer, die Informationen zur Raubserie hatten und zu den Mordanschlägen?“, so Pau am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion in Zwickau.

 

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