FP| Rechter Schatten liegt auf Zwickau


Die Stadt sorgt im Zusammenhang mit dem NSU und Rechtsextremismus immer wieder für Schlagzeilen. Bürger fordern, dass sich etwas ändert.

Von Tanja Goldbecher
erschienen am 06.05.2016

Zwickau. Das gelb gestrichene Haus an der Zwickauer Frühlingsstraße ist abgerissen. Die drei Neo-nazi-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe verstecken sich dort schon seit vier Jahren nicht mehr. Der Rechtsextremismus wirft aber immer noch Schatten auf Zwickau. Zuletzt ist die Muldestadt am 1. Mai in den bundesweiten Schlagzeilen aufgetaucht, als Bürger, darunter etliche Rechtsextreme, die Kundgebung auf dem Hauptmarkt störten.

Über die aktuelle Lage in der Stadt und die Entwicklungen seit dem Auffliegen des National Sozialistischen Untergrunds (NSU) haben am Mittwoch Politiker, Gewerkschafter, Journalisten und Opfer- berater im „Alten Gasometer“ in Zwickau diskutiert. So sagte die Bundestagsvizepräsidentin und das Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss Petra Pau (Linke), dass sich das NSU-Trio in Zwickau wie in einem „geschützten Biotop“ bewegen konnte. Die Rechtsterroristen arbeiteten in der Stadt, besuchten Konzerte und trafen sich regelmäßig mit Nachbarn.

Ein Vorfall, der sich 2013 auf dem Hauptmarkt ereignet hatte, verdeutlicht, dass die rechtsextremen Strukturen auch nach dem NSU existierten. Damals verprügelte eine Gruppe Rechtsextremer mehrere linksalternative Jugendliche, von denen einige schwer verletzt wurden. An die Schlägerei erinnerte während der Gesprächsrunde der Journalist Christian Gesellmann. „Die Polizei hat den Fall zunächst nicht ernst genug genommen“, sagte der gebürtige Zwickauer. Später habe sie die Tat als politischen Angriff gewertet. Zuzugeben, dass Zwickau ein Problem mit Rechtsextremismus habe, sei Gesellmann anfangs schwer gefallen, entspreche aber der Wahrheit.

 

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