tagesspiegel| Das gemeine Volk von Freital


Wegschauen. Verdrängen. Versagen. Auch nach der Festnahme einer mutmaßlichen rechten Terrorgruppe ist der Hass in Freital nicht verschwunden. Im Gegenteil.

VON
 
Zunächst einmal: Hier gibt es keine Nazis. Jedenfalls nicht viele. Und Terroristen schon gar nicht. Das könne er garantieren, sagt Mock, aber zu 100 Prozent. Man will es ihm glauben. Das gewinnende Lächeln, der Bierbauchansatz, das Piercing in der Augenbraue als modischer Kontrast zu den Geheimratsecken. Dieser Typ kann nicht verkehrt sein. Außerdem ist Mock hier geboren und betreibt eine der beliebtesten Kneipen Freitals. Sie liegt an der Hauptstraße unweit einer Discounterfiliale. Er steht hinterm Holztresen und bietet eine Zigarette an, Benson & Hedges, hat er drüben in Tschechien gekauft. Unter der Voraussetzung, dass weder sein bürgerlicher Name noch der seiner Gaststätte in der Zeitung auftauchen, ist Mock bereit, so einiges über Freital klarzustellen.

Denn da wurde ja viel Schlimmes berichtet über die 40 000-Einwohner-Stadt, zehn Bahnminuten südlich von Dresden. Die massiven Proteste gegen die Asylunterkunft „Leonardo“, die früher ein Hotel war. Sprengstoffanschläge auf Flüchtlinge und Linke. Vergangenen Dienstag dann die Festnahme von fünf Freitalern, die Teil einer Terrorgruppe sein sollen.

Absolut lächerlich, findet Mock. Diese Leute seien keine Gewalttäter, höchstens welche, die es etwas übertrieben und Mist gebaut hätten. Ob er sie kenne? „Nu“, antwortet Mock. So sagt man hier, wenn man „ja“ meint. „Ich bin sicher, die wollten mit ihren Böllern Flüchtlinge erschrecken, aber doch nicht verletzen.“ Dann sagt er noch: „Die sind ganz normal.“

 

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