FR| Ein Handy voller Neonazi-Kontakte


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Der Verfassungsschutz legt im NSU-Ausschuss Neues über V-Mann „Corelli“ und sein Mobiltelefon offen – wie immer reichlich spät. Im Bundestag ist man parteiübergreifend über die schlampige Aufarbeitung erzürnt.

Es ist ungefähr ein Jahr her, dass der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag einen Bericht zum einstigen V-Mann „Corelli“ präsentierte, der mit bürgerlichem Namen Thomas Richter hieß und für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) arbeitete. Montag war vom Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) damit beauftragt worden und kam darin zu dem Ergebnis, dass der Inlandsgeheimdienst im Umgang mit „Corelli“ ziemlich geschlampt hatte. Der starb 2014 an den Folgen einer Diabetes-Erkrankung, von der bis dahin niemand etwas gewusst hatte. Schon das erregte Argwohn.

Wie jetzt bekannt wurde, verfügte Montag dabei allerdings noch gar nicht über sämtliche Informationen. So tauchte vor geraumer Zeit im Panzerschrank des BfV ein Handy auf, das angeblich erst beim fünften Suchen dort entdeckt wurde. Im Bundestag sind sie darüber parteiübergreifend erzürnt. Die Sache dürfte ein Nachspiel haben. Denn Richter war nicht irgendwer. Er war 18 Jahre lang Quelle des Inlandsgeheimdienstes und soll dafür insgesamt knapp 300 000 Euro erhalten haben. So war der umtriebige Neonazi in Netzwerken wie „Blood and Honour“ oder einem deutschen Ableger des rassistischen Geheimbundes Ku Klux Klan aktiv und lieferte dem Geheimdienst auch eine CD, auf der die Abkürzung NSU zu lesen war. Ob das Kürzel für den damals öffentlich noch nicht bekannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ stand, ist ungeklärt.

 

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