StN| Ein Tresor, ein Handy und viele Rätsel


Von Thomas Maron

Der inzwischen tote V-Mann Corelli, zentrale Figur bei der Aufklärung der NSU-Mordserie, hatte mal ein Handy. Das hat er dem Verfassungsschutz 2012 brav abgegeben. Mitarbeiter fanden es Jahre später wieder. Dann vergingen zehn Monate, bis es bei den Verantwortlichen endlich klingelte.

Berlin – Nach Informationen dieser Zeitung nahm das erneute Versagen des Bundesamtes fürVerfassungsschutz im NSU-Komplex am 8. Juli 2015 seinem Anfang. An diesem Tag finden Mitarbeiter des Verfassungsschutzes im Rahmen einer „routinierten Nachschau“ in einem Stahltresor das Handy des 2014 verstorbenen V-Manns Corelli. Das Handy soll Corelli laut Verfassungsschutz nur kurz besessen und abgegeben haben, als er 2012 als Informant „abgeschaltet“ wurde. Der Tresor war Corellis V-Mann-Führer zugeordnet, der damals das Handy entgegen genommen hatte. Nach einem Personalwechsel war die „routinierte Nachschau“ notwendig geworden. Interessant dabei: es war nicht etwa die erste Durchsicht, sondern die fünfte. Und erst bei dieser wurde ein Kuvert mit der Aufschrift „privat“ gefunden, in dem sich das Handy befand. Dies lässt Irene Mihalic, für die Grünen im Untersuchungsausschuss, mutmaßen, dass der Umschlag womöglich erst später hineingelegt wurde. Fragt sich warum und von wem? Bisher fehlt jedenfalls jede Form der Dokumentation.

 

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