Spiegel| AfD-Jugend im Wirtshaus: Prosten, pöbeln, protestieren


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Die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative will Studenten und junge Akademiker ködern – mit Fremdenhass und viel Bier. Ein Stammtischbesuch in Berlin.

Das Wirtshaus Bavarian ist eine volkstümliche Parallelwelt im Westen Berlins. Die Wände sind mit hellem Holz verkleidet, auf den Eichentischen liegen karierte Deckchen. Die Plastikblumen haben Staub angesetzt. Es riecht nach Rotkohl und Wurst. „Auf Deutschland!“, sagt Joel und prostet seinen Mitstreitern zu. Biergläser klirren, dazu erklingt Schunkelmusik.

Joel, 21, ist Jurastudent und Vorstandsmitglied der Berliner Jungen Alternative (JA), der Jugendorganisation der AfD. Ihre Mitglieder treffen sich einmal im Monat im Bavarian zum Stammtisch. Die zehn, die an diesem Abend gekommen sind, fügen sich gut in die holzgetäfelte Umgebung ein. Wie Joel tragen die meisten straff gekämmte kurze Haare, dazu Hemd, manche auch Schlips und Sakko. Unter ihnen sind Studenten, Personalberater und ein Hartz-IV-Empfänger. Der Älteste ist 35, der Jüngste 16 Jahre alt. Weibliche JA-Mitglieder sucht man vergebens.

Die Stammtischler wirken wütend. Sie eint die Überzeugung, dass es so nicht weitergehen kann – mit dieser Regierung, dieser Gesellschaft, diesem Land. Im Bavarian können sie endlich Klartext reden. Über Merkels Flüchtlingspolitik, die sie als „moralischen Imperialismus“ bezeichnen; über die etablierten Parteien, die sich nicht trauten, Fehler zuzugeben; über die Eurorettung, die Deutschland in den Ruin treibe.

 

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