FAZ| Hessische Jahre des AfD-Vize: Auf der Suche nach dem früheren Gauland


Als Büroleiter von Oberbürgermeister Wallmann erwarb sich Alexander Gauland einst viel Ansehen in Frankfurt – auch durch seinen Einsatz für Flüchtlinge. Über die Aussagen des heutigen AfD-Politikers sind viele Wegbegleiter von damals entgeistert.

von TOBIAS RÖSMANN

Alexander Gaulands erste Flüchtlingskrise beginnt Ende Januar 1979. Damals reist er als Büroleiter des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Wallmann nach Hongkong. Dort sind in den Wochen und Monaten zuvor immer mehr Flüchtlinge aus Vietnam gestrandet. Gauland soll 250 der „Boatpeople“ an den Main holen. Die Verhandlungen sind heikel, deshalb entsendet Wallmann seinen besten Mann. Gauland bleibt drei Wochen. Dann ist er am Ziel. Die ersten 70 Vietnamesen kommen sofort mit nach Frankfurt: 23 weibliche und 47 männliche Flüchtlinge werden registriert, der älteste ist 51 Jahre alt.

Nach seiner Rückkehr beschreibt Gauland das Elend der in Hongkong vor sich hin vegetierenden 14 000 Asiaten. Die überfüllten Unterkünfte, so berichtet er den Frankfurter Lokaljournalisten, böten ein deprimierendes Bild: „Nissenhütten mit drei Betten übereinander, die Luft ist zum Schneiden.“ In den Worten des damals 37 Jahre alten Politikprofis schwingt Mitgefühl mit. Aber Gauland macht noch etwas anderes deutlich: Nicht Analphabeten und Fischer hat er ausgewählt – sondern Elektriker, Uhrmacher, Schneider und Mechaniker. Ein pragmatischer Umgang mit Menschen in Not.

Was ist aus dem Retter der „Boatpeople“ geworden? Frankfurter Wegbegleiter erkennen Gauland nicht wieder. Ist das noch derselbe Mann, der mittlerweile als führender AfD-Politiker Ressentiments gegen Migranten, Ausländer und Flüchtlinge schürt? Der Angela Merkel als „Kanzler-Diktatorin“ diffamiert, die durch ihre eigenmächtige Flüchtlingspolitik „das deutsche Volk ergänzen und ersetzen“ wolle? Der davor warnt, das Land könne unter dem „Asylwahn“ zusammenbrechen?

 

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