mdr| Mut zur Wahrheit: AfD-Abgeordneter schreibt von der Linkspartei ab


Von Stephan Schulz

Der frischgebackene AfD-Landtagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt verdient im Magdeburger Landtag gutes Geld. Seinen Wählern will er deshalb beweisen, dass er auch ein guter Volksvertreter ist: ordentlich, pünktlich und vor allem fleißig. „Landtag kann auch harte Arbeit sein, wenn man die Sache ernst nimmt“, schrieb der 24-Jährige vor wenigen Wochen auf seinem Facebookprofil. Seit heute wirkt sein Eintrag so, als verstehe er unter harter Arbeit, geistigen Diebstahl zu begehen. Jan Wenzel Schmidt hat sich nämlich beim Abschreiben erwischen lassen.

Jan Wenzel Schmidt steht wegen eines Plagiats in der Kritik 
von Stephan Schulz

Der AfD-Abgeordnete stellte am 15. Juni 2016 eine kleine Anfrage an die Landesregierung, in der er zum Beispiel wissen will, welche Aufsichtsräte in Sachsen-Anhalt mit Staatssekretären besetzt wurden. Das klingt erstmal nicht anrüchig, sondern nach politisch sauberer Arbeit. Doch Jan Wenzel Schmidt hatte keine Lust, sich seinen Kopf selbst zu zermartern. Deshalb verzichtete er darauf, eigene Fragen zu stellen. Er durchforstete stattdessen das Archiv des Landtages und fand Gefallen an einer fünf Jahre alten Anfrage des politischen Erzfeindes Die Linke. Der AfD-Abgeordnete, der auch Landesvorsitzender der Jungen Alternative in Sachsen-Anhalt ist, drückte „Kopieren“ und „Einfügen“ und veröffentlichte die Anfrage einfach unter seinem eigenen Namen. Eine Referentin der Linkspartei entdeckte heute das Plagiat. Jan Wenzel Schmidt sagt dazu: „Die Anfrage habe ich erneut gestellt, da sie meiner Ansicht hinsichtlich der Kontrolle der Landesregierung zielführend war. Ich verstehe die Kritik und war anscheinend zu blauäugig, da ich es nicht als verwerflich betrachte.

Diese Einstellung ist in der Tat blauäugig. Denn es weiß doch bereits jeder Grundschüler, dass man nicht von seinem Banknachbarn abschreibt. Und wenn man es doch tut, dann sollte man sich zumindest nicht erwischen lassen. Das gilt auch für die Bänke im Landtag.

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