tagesschau| Machtkämpfe in der AfD: Keine für alle und jeder für sich


Ein Teil der AfD-Spitze arbeitet daran, eine Spitzenkandidatur von Parteichefin Petry bei der Bundestagswahl zu verhindern. Doch ihre Gegner meiden den offenen Konflikt – noch. Marie-Kristin Boese über die Machtkämpfe in der AfD und die Rolle von Petrys Co-Chef Meuthen.

Von Marie-Kristin Boese, ARD-Hauptstadtstudio

Sie sind einflussreich in der AfD, sie suchen den Schulterschluss, sie haben ein Ziel: AfD-Parteichefin Frauke Petry als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017 zu verhindern. Petry, heißt es von Kritikern, dürfe sich nicht als alleinige Spitzenkandidatin in Stellung bringen.

Eigentlich hat die AfD ein gespaltenes Verhältnis zu Medien, Petry nennt sie gerne mal „Pinocchio-Presse“. Nun wollen einige Spitzenfunktionäre genau diese Presse vor ihren Karren spannen. Offenbar soll irgendwie berichtet werden – über die sich anbahnende Meuterei. Doch keiner traut sich aus der Deckung. Keine Namen, keine Zitate. Zur Attacke mit offenem Visier sind die Meuterer nicht bereit – noch nicht. Und Alternativen für die Spitzenkandidatur wollen sie zunächst auch nicht nennen.

Überraschender Vorschlag

Überraschend gibt nun der AfD Co-Chef Jörg Meuthen in der „Bild“-Zeitung zu Protokoll, er könne sich auch Alice Weidel sehr gut als Spitzenkandidatin vorstellen. Weidel ist jung, 37 Jahre alt, Ökonomin. Sie zählt zum wirtschaftsliberalen Flügel der AfD – und habe, laut Meuthen in „Bild“, „dafür das Format“. Er selbst hatte zuletzt betont, nicht für den Bundestag kandidieren zu wollen. Er wolle Fraktionschef in Baden-Württemberg bleiben.

Hält Meuthen Alice Weidel für geeigneter als Frauke Petry? Tritt die AfD gar mit einer Doppelspitze an? Darauf gibt es keine Antwort. Für tagesschau.de ist Meuthen am Donnerstag nicht zu erreichen. Auch aus der AfD-Pressestelle kommt kein Kommentar zu der Personaldebatte. Und Alice Weidel will von ihrer Nominierung nichts gewusst haben. Sie freue sich über das Vertrauen. Aber „die Frage der Spitzenkandidatur ist für mich derzeit kein Thema“, sagt sie der dpa. Die Kommunikationsstrategie einiger AfD-Spitzenpolitiker mutet zumindest seltsam an.

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