FAZ| AfD: In der Hitze der Macht


Wie sich in der AfD binnen weniger Tage vier Putschversuche ereigneten – und warum die Partei nicht umhin kommen wird, die nächsten Monate mit Ränkespielen zu verbringen.

von JUSTUS BENDER, REINHARD BINGENER UND RÜDIGER SOLDT

 

Auch ein Teddybär wird irgendwann wütend. Den Vergleich mit einem Kuscheltier verwenden viele in der AfD als Spitznamen für ihren Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen. Er selbst tut das auch, mit einem Augenzwinkern. Meistens ist damit gemeint: Meuthen ist doch eigentlich ein Netter. Oder: Meuthen ist weich.

Tatsächlich hat der Baden-Württemberger – anders als seine Ko-Vorsitzende Frauke Petry – die Eigenart, in einem besonders ruhigen und besonnen klingenden Tonfall zu sprechen. Das hat ihm lange den Ruf eingebracht, ein Gemäßigter zu sein, obwohl seine Aussagen in ihrer Substanz durchaus das Potential hatten, als Tabubruch empfunden zu werden. Seit einigen Tagen aber ist klar: Der nette Herr Meuthen kann auch anders. Zumindest wenn er sich als Opfer einer Intrige durch Petry und ihren Lebensgefährten sieht, den nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell.

Geglaubt wird sich nicht mehr viel

Fragt man Menschen aus dem Umfeld von Meuthen, dann führt das Paar seit Monaten einen Kleinkrieg gegen Meuthen. Angeblich jedenfalls. Pretzell hat gegenüber Meuthen in einem Telefonat am vergangenen Donnerstag ausdrücklich bestritten, dass es einen solchen Krieg gebe. Umgekehrt heißt es in der Partei, Petry fühle sich von Meuthen bekriegt – was der wiederum leugnet. Und so weiter. Geglaubt wird sich unter den Vertretern der Parteiführung schon lange nicht mehr viel, besonders aber seit diesem Wochenende nicht mehr. In den vergangenen Tagen haben vier Ereignisse stattgefunden, die sich ohne viel Phantasie als Putschversuche interpretieren lassen können. Von den einen gegen die anderen, und umgekehrt. Die Chronologie dieser Ereignisse spricht für sich.

 

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