tagesschau| Ältere Corelli-Handys falsch ausgewertet


Im Fall um den V-Mann „Corelli“ droht ein weiterer Skandal: Bisher hieß es, der Top-Spitzel habe keinen Kontakt zum NSU gehabt. Doch nun stellt sich heraus: Ältere Corelli-Handys und -SIM-Karten wurden noch gar nicht ausgewertet.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Das Bundesamt für Verfassungsschutz gerät wegen seines früheren Spitzels Thomas Richter, Deckname „Corelli“, weiter unter Druck. Nach Informationen des rbb Inforadios aus Sicherheitskreisen wurden mehrere Handys, die der V-Mann zwischen 2007 und 2011 benutzt hat, bisher nicht oder zumindest nicht vollständig ausgewertet. Damit stellt sich die Frage möglicherweise neu, ob Corelli doch Verbindungen zum NSU-Trio gehabt haben könnte.

Corelli war fast zwei Jahrzehnte lang einer der Top-Spitzel des Verfassungsschutzes in der rechtsextremistischen Szene, bis er 2012 enttarnt wurde. 2014 war er an einer unerkannten Diabetes-Erkrankung im Alter von 38 Jahren verstorben – wahrscheinlich, muss man einschränkend sagen. Denn auch die Todesursache soll noch einmal neu untersucht werden. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich in einem Zeugenschutzprogramm, ausgestattet mit einer neuen Identität.

Die Umstände seines Todes und die Frage, ob er Verbindungen zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gehabt hat, waren von einem Sonderermittler des Bundestages untersucht worden: dem ehemaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten Jerzy Montag. Er hatte seinerzeit keinen Hinweis auf Verbindungen zwischen Corelli und dem NSU-Trio gefunden, nachdem Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den Untergrund gegangen waren. Seinen Bericht hatte er vor einem Jahr vorgelegt. Mittlerweile ist jedoch klar, dass Montag nicht Zugang zu allen Informationen hatte.

Belegen Handydaten Kontakt zum NSU?

Ende Mai waren im Bundesamt für Verfassungsschutz ein Handy und fünf SIM-Karten aufgetaucht, die Corelli benutzt hatte – allerdings erst nach seiner Enttarnung und als es das NSU-Trio bereits nicht mehr gab. Sie werden zur Zeit beim Bundeskriminalamt ausgewertet.

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