FreiePresse| Das Geschäft mit den Nazis


Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags hat vorgestern einen früheren Partner des Zwickauer Neonazis Ralf Marschner befragt. Dieser zeichnete das Bild eines Menschen, der nicht nur drogensüchtig war.

Von Christian Gesellmann
erschienen am 25.06.2016

Berlin/Zwickau. Ralph M. ist Dachdeckermeister aus Zwickau, er ist 48 Jahre alt, ein schlanker Mann mit Brille und Ehering, angegrautem Dreiwochenbart und kurzen, mittelblonden Haaren. Er trägt Jeans und T-Shirt und ist der Typ Mann, den man an Samstagabenden mit einem Cocktail in einer Bar am Hauptmarkt sitzen sieht, der immer ein bisschen zu laut lacht und seinen Freunden ein paar mal zu oft auf die Schultern klopft.

M. sitzt nun als Zeuge im Saal 2600 im Paul-Löbe-Haus in Berlin, einem Glas-Stahl-Betonbau mit Bahnhofscharme, direkt neben dem Reichstag. Während sich Gruppen verschwitzter Schüler und Rentner von Lehrern oder Bundestagsabgeordneten durch die Gänge der Demokratie führen lassen, soll M. dabei helfen zu erklären, wie die Institutionen dieser Demokratie so verheerend versagen konnten, wie sie zulassen konnten, dass eine Gruppe, die sich Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) nannte, mindestens zehn Menschen in Deutschland töten, 15 Überfälle und mindestens zwei Bombenattentate verüben konnte – und das alles, während sie umzingelt von Männern des Verfassungsschutzes mehr als zehn Jahre lang in Zwickau lebten, ihre Freundschaften zu anderen Neonazis und beste Beziehungen zu ihren Nachbarn pflegten, mit dem Wohnmobil durch ganz Deutschland fuhren und an der Ostsee Urlaub machten.

 

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