mdr| Opposition: Im Verfassungsschutz herrscht Chaos


Warum tauchen immer neue Handys des verstorbenen V-Mannes „Corelli“, einer zentralen Figur im NSU-Skandal, auf? Und warum sind sie immer noch nicht ausgewertet? Zwei noch ungeklärte Fragen im NSU-Untersuchungsausschuss. Die Opposition im Bundestag fordert deshalb den Rücktritt von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Doch er hat auch Fürsprecher.

von Matthias Reiche, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Wieder einmal steht das Bundesamt für Verfassungsschutz im Verdacht, bei den Ermittlungen zum NSU Beweismittel zurückgehalten zu haben. Bereits im Mai war ein Handy des ehemaligen V-Mannes „Corelli“ mit hunderten Bilddateien und vielen Adressen überraschend gefunden worden.

Nicht nur Uli Grötsch, der für die SPD im Untersuchungsausschuss sitzt, ist frustriert. Er äußere sich nicht mehr zur möglichen Anzahl von „Corelli“-Handys angeht, sagt Grötsch. „Wir hatten in den letzten Wochen Sitzungen, in denen uns mehrere unterschiedliche Zahlen genannt wurden. Ich bin in einer Situation, in der ich mit allem rechne. Mir fehlt das Vertrauen dahingehend, dass ich glaube, dass der Sachverhalt ‚Corelli‘ letztendlich umfangreich und abschließend aufgeklärt wird.“

Mir fehlt das Vertrauen […], dass der Sachverhalt ‚Corelli‘ […] abschließend aufgeklärt wird.

Uli Grötsch (SPD), NSU-Untersuchungssausschuss

Von dieser Feststellung ist es nicht weit zur Vermutung der Verschwörungstheoretiker, dass der Verfassungsschutz in die dem NSU angelastete Mordserie verwickelt sein könnte. In jedem Fall steht wieder einmal die Frage im Raum, ob allein organisatorische Defizite die Ursache für die neue Panne beim Verfassungsschutz sind.

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