FAZ| Antisemitismus in der AfD: „Das Judentum als innerer Feind“


Antisemitismusforscher Marcus Funck bietet sich als Gutachter für die AfD in Stuttgart an. Was er von den Schriften von Wolfgang Gedeon hält, sagt er im FAZ.NET-Gespräch.

von RÜDIGER SOLDT

 

Herr Funck, Wolfgang Gedeon, der Landtagsabgeordnete der AfD im baden-württembergischen Landtag, nennt die „Protokolle der Weisen von Zion“ in seinem Buch „Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“ als Quelle. Wie bewerten Sie das?

Diese sogenannten Protokolle existieren seit über hundert Jahren. Sie wurden im zaristischen Russland konstruiert und später in ganz Europa verbreitet. Schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg gab es erste Nachweise, dass es sich um eine Fälschung handelt. Seit Jahrzehnten besteht in der historischen Forschung die übereinstimmende Auffassung vor, dass es sich um eine Fälschung handelt, die dazu dient, einen Mythos zu konstruieren. Dieser Mythos soll durch ständige Wiederholung zu einer plausiblen Erzählung verdichtet werden. Eine reale Grundlage hierfür gibt es nicht. Es handelt sich zur Gänze um einen fiktionalen Text. Die Protokolle spielen außerhalb von rechtsradikalen Kreisen in der Gegenwart in Westeuropa kaum noch eine Rolle, in der islamischen Welt werden sie aber als Quelle publiziert und begründen dort Antisemitismus.

Reicht der positive Bezug auf die „Protokolle der Weisen von Zion“ aus, um jemanden als Antisemiten zu überführen?

 

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