TheEuropean| Ein Nachbar wie Alexander Gauland? – Nein danke!


Allenthalben herrscht Ratlosigkeit. Man ist sich einig: Gewalt und Hass, Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Parolen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Doch wie kam es dazu? Historisch-politische Bemerkungen zu ausländerfeindlichen Ressentiments im Land des Holocaust.

Erklärungen dafür, wie sich der Hass geradezu epidemisch in der Gesellschaft ausgebreitet hat, gibt es nicht. Man findet keine Erklärung für die tieferliegenden Gründe des Hasses. Zweifellos hat der Zulauf der „Alternative für Deutschland“, AfD, mit der Flüchtlingskrise zu tun. Aber es ist keineswegs zwangsläufig, dass Menschen sich nach rechts orientieren.
Dass die deutsche Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert weitgehend eine hasserfüllte gewesen ist, dürfte eine Binsenweisheit sein. Dennoch kommt niemand auf die Idee, sich diesen Tatbestand zu vergegenwärtigen und bei der Suche nach einer Antwort zu berücksichtigen.

Über die Ursachen ihrer verfehlten Geschichte sind die Deutschen bislang nicht wirklich aufgeklärt. Allzu vordergründig haben sie in ihrer großen Mehrheit spätestens seit 1948/49 so getan, als seien die Nazis nicht aufs Engste mit der deutschen Geschichte verbunden gewesen und als hätte man selbst mit ihnen nie etwas zu tun gehabt. Man scheute sich, mit dem Nationalsozialismus als Teil der deutsch-völkischen Bewegung auseinanderzusetzen und bis in die eigene Familie hinein zu ergründen, was es in der deutschen Geschichte und Politik bereits lange vor 1933 an Einstellungen, Mentalitäten und Ereignissen gegeben hat, die ansonsten allein dem Dritten Reich zugeordnet werden, ist man zur Tagesordnung übergegangen, hat sich im Wirtschaftswunder gesonnt, die Täter davonkommen lassen, den Opfern dubiose Entschädigungsregularien auferlegt und die „Unfähigkeit zu trauern“ zur Schau getragen.

Statt den Blick in die Tiefenschichten deutscher Verirrung zu richten, hat man neue Legenden produziert, alte bedenkenlos und leichtfertig übernommen oder der Zeit gemäß zurechtgestutzt – und damit die Amoralität, die Unwahrhaftigkeit, die Selbstsüchtigkeit, die Intoleranz den Franzosen und Slawen gegenüber, die seit Bismarck für die deutsche Politik kennzeichnend wurden, projiziert: auf den „Dämon“ Hitler, auf das deutsche Volk in seiner Gesamtheit, auf das Ausland, das den „Dämon“ nicht an der Durchführung seiner Politik gehindert habe, auf die extremistischen Parteien, auf den Versailler Vertrag, auf die Supermächte, auf den Mechanismus der Bündnisse von 1914, auf den Kapitalismus und Imperialismus schlechthin, auf die „verspätete“ Nation, auf die gescheiterte Revolution von 1848, auf den deutschen Idealismus, auf Hegels Staatstheorie, auf die Schwäche der menschlichen Natur und die Zivilisation im allgemeinen sowie vor gar nicht langer Zeit auf Europa schlechthin beziehungsweise die europäische Kultur.

 

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