DISS| Zur NS-Rhetorik des AfD-Politikers Björn Höcke


Von Andreas Kemper. Erschienen in DISS-Journal  32 (2016)

Zur Beantwortung der Frage, ob Björn Höcke „nur“ eine faschistische Ideologie verbreitet (Kemper 2016) oder ob Björn Höcke ein Neonazi ist (hier wäre die „Landolf Ladig“-Geschichte endlich zu klären), sollte auch das einschlägige Vokabular Höckes herangezogen werden, welches er in seiner völkischen Propaganda bzw. für diese benutzt.

 „Tat-Elite“

Mehrfach benutzte Höcke die Bezeichnung „Tat-Elite“. Unter anderem fiel diese Selbstkennzeichnung „seiner“ Bewegung in der berüchtigten Rede am Institut für Staatspolitik, als er die rassenbiologischen Thesen vom „afrikanischen Ausbreitungstypen“ darlegte. Die „Tat-Elite“ solle die „Pseudo-Eliten“ um Angela Merkel ersetzen. „Tat-Elite“ war die Selbstbezeichnung der SS (Hein 2014), vor allem im Bereich des Sports (Bahro 2013). Sollte das dem Geschichts- und Sportlehrer Höcke entgangen sein?

„Wendezeit um Sein oder Nichtsein“

In einer Grußbotschaft an die Vorsitzende Marie Le Pen vom Front National beschwor Björn Höcke den Zusammenhalt der nationalen Kräfte in der „historische[n] Wendezeit um Sein oder Nicht-Sein“. Diese Formulierung „Sein oder Nichtsein“ benutzte Hitler mehrfach, bspw. 1934 in einer Nürnberger Rede, in der er die Gebärfähigkeit deutscher Frauen beschwor. Diese Phrase wurde zudem zentral von Joseph Goebbels zur Begründung des „Totalen Krieges“ verwendet (Goebbels 1944).

„Volk steht auf, der Sturm bricht los!“

Goebbels beendete in seiner Sportpalast-Rede, in der er die Frage nach dem „Totalen Krieg“ stellte und ihm die rechten Arme mit einem einstimmig gebrülltem „Jaaa!“ entgegen gereckt wurde, mit dem Satz: „Nun Volk steh auf und Sturm bricht los!“. Die Internetplattform „Der Flügel“, für die Björn Höcke im Impressum steht, veröffentlichte am 23.09.2016 das Theodor Körner zugeschriebene Zitat: „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!“ Weiter heißt es: „Noch sitzt ihr da, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Erhard Jöst (2015, S. 29) weist allerdings darauf hin, dass diese Sätze keinesfalls von Körner seien, sondern spätestens seit einer NPD-Veranstaltung („Wahrheit macht frei“, 1991) Körner untergeschoben würden. Es scheint Höcke also keinesfalls um die „Ehrung Körners“ zu gehen, sondern um die Propagierung der Parole „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“ – als Geschichtslehrer müsste er die Sportpalast-Rede Goebbels’ kennen.

„Bewegungspartei“

Adolf Hitler nannte die NSDAP die „Partei der Bewegung“. Entsprechend bezeichnet Höcke die AfD als „fundamentaloppositionelle Bewegungspartei“.

 

weiterlesen

%d Bloggern gefällt das: