Bertelsmann Stiftung| Europäer nehmen Globalisierungsängste mit in die Wahlkabine


Protestwähler und populistisch argumentierende Politiker wirbeln in den USA und Europa bisher zementierte politische Mehrheiten durcheinander. Doch was treibt Menschen zu Parteien, die für sich allein beanspruchen, die Interessen des Volkes zu vertreten und sich gegen das sogenannte Establishment stellen? Eine repräsentative EU-Umfrage sucht nach Gründen für diese Entwicklung.

Die Angst vor der Globalisierung spaltet die Europäer. Während eine Mehrheit der EU-Bürger (55 Prozent) die internationale Verflechtung als Chance begreift, empfindet sie fast jeder Zweite (45 Prozent) als Gefahr. Dabei gilt: Je niedriger das Bildungsniveau und je höher das Alter der Befragten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen Globalisierung als Gefahr empfinden. Die Ängste vor einer stärker zusammenwachsenden Welt beeinflussen auch die politischen Einstellungen: Die große Mehrheit derjenigen Befragten, die mit rechtsnationalen und populistischen Parteien sympathisieren, empfinden die Globalisierung als Bedrohung. Das sind die Ergebnisse der EU-weiten Umfrage „eupinions“, mit der die Bertelsmann Stiftung regelmäßig Bürger zu EU-Themen befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die EU und die neun größten Mitgliedsstaaten.

Globalisierungsängste bestimmen politische Einstellungen

Befragt zu ihrer Parteipräferenz, zeigt sich EU-weit ein klares Bild: Bei allen rechtsnationalen Parteien in den untersuchten Ländern, von der italienischen Forza Italia über die deutsche AfD bis zur britischen UKIP, fürchtet stets mindestens die Hälfte der Partei-Anhänger die Folgen der Globalisierung. Globalisierungsangst scheint also ein Treiber für den Erfolg rechtsnationaler Parteien in Europa zu sein.

„Wir dürfen das Werben um besorgte Bürger nicht den Populisten überlassen. Die etablierten Parteien müssen die Angst vor der Globalisierung in ihre Arbeit einbeziehen.“

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung

1. Auflage 2016 , 38 Seiten (PDF)

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Leseprobe

Zwei Erklärungsmuster dominieren heute die öffentliche und die wissenschaftliche Debatte. Die einen verweisen auf einen Werte-Konflikt. Sie sagen, dass liberale Werte zu weit in die Mitte der Gesellschaft eingedrungen seien und Themen wie die Gleichstellung von Mann und Frau, die Ehe für Homosexuelle, ethnische Vielfalt etc. nun jene Teile der Gesellschaft, die traditionellen Werten anhängen, so provozieren, dass sie sich politisch organisieren. Andere wiederum betonen die weitreichenden Folgen der Globalisierung und die Ängste jener, die durch sie verloren haben oder sich sorgen in Zukunft zu den Verlieren zu gehören.

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