junge welt| »Behandlung der Causa Temme wird erschwert«


Hessens Innenministerium liefert dem Berliner NSU-Untersuchungsausschuss erst kurz vor der Sitzung Akten. Gespräch mit Irene Mihalic

Interview: Gitta Düperthal
 
Das von Peter Beuth, CDU, geführte hessische Innenministerium hat offenbar dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags Akten und Erkenntnisse vorenthalten und so dessen Arbeit behindert. In welchem Ausmaß geschah das?

Akten wurden uns 48 Stunden vor der Sitzung zugestellt. So konnten wir wichtiges Material erst spät auswerten. Das erschwert die Behandlung der Causa Andreas Temme, dessen Rolle im Zusammenhang mit dem Mord an Halit Yozgat (2006 das mutmaßlich letzte Opfer einer Mordserie seit dem Jahr 2000, für die die rechte Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« verantwortlich gemacht wird, jW) undurchsichtig ist. Einiges, was am Donnerstag im Untersuchungsausschuss besprochen wurde, ist geheim. Was ich aber sagen kann, ist, dass durch die späte Aktenlieferung eine angemessene Befassung mit dem Fall Andreas Temme nicht möglich war. Wir werden dem nachgehen, aber das kostet zusätzliche wertvolle Zeit.

Der Mord an Halit Yozgat in Kassel ist brisant: Am Tatort war Temme, der damalige Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes, zugegen. Könnte hier etwas ans Tageslicht kommen, das der Landesregierung von CDU und Grünen in Hessen unangenehm wäre?

Wir prüfen als Untersuchungsausschuss des Bundestages vor allem die Frage, inwieweit das Handeln des NSU-Trios in Strukturen eines Neonazinetzwerks eingebettet war. In dem Zusammenhang interessiert uns, ob V-Leute des Verfassungsschutzes Teil solcher Strukturen waren, statt dem Staat auftragsgemäß wertvolle Informationen zur Aufdeckung zu liefern. Das wäre natürlich ein skandalöser Vorgang. Gravierender wäre es jedoch – und dabei geht es im Fall Temme –, wenn ein Mitarbeiter einer Verfassungsschutzbehörde selber an den Taten des NSU beteiligt gewesen sein sollte. Oder wenn er etwa gewissermaßen als Maulwurf fungierte.

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