Deutschlandradio| Halit Yozgat -Schwierige Aufarbeitung des Kasseler NSU-Mordes


Von Ludger Fittkau

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Gut 100 Zeugen und 1500 Aktenstücke. Dazu ein ehemaliger Verfassungsschützer, der sehr wahrscheinlich lügt und eine Landesregierung, der vorgeworfen wird, die Aufklärung des Mordes an dem 21-jährigen Internetcafébesitzer Halit Yozgat zu erschweren. Kann der NSU-Untersuchungsausschuss in Hessen die Wahrheit ans Licht bringen?

Die Holländische Straße in Kassel. Eine vielbefahrene Hauptverkehrsachse, in der Fahrbahnmitte gleiten Straßenbahnen auf einer eigenen, rasenbedeckten Trasse. Am Straßenrand – ein mehrstöckiges gelbes Ziegelgebäude in einer Altbau-Häuserzeile, im Erdgeschoss ein kleines Ladenlokal.

Am 6. April 2006 steht der damals 21 Jahre alte Halit Yozgat hinter dem Tresen des Internet-Cafés, das er hier mit Unterstützung seiner Familie betreibt. Der Jung-Unternehmer wartet in seinem Ladenlokal auf seinen Vater Ismail, der ihn schon vor einiger Zeit ablösen sollte. Doch noch bevor der Vater das Internet-Café betritt, werden im Laden zwei tödliche Pistolenschüsse auf Halit Yozgat abgegeben. Der junge Ladenbetreiber ist das neunte Mordopfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ – kurz NSU.

Mit erstickender Stimme schildert sein Vater Ismail Yozgat später in Berlin in seiner Muttersprache, in der er sich sicherer fühlt bei einer Gedenkveranstaltung, dass er den sterbenden Sohn hinter dem Tresen seines Ladens gefunden hat:

„Meine Damen und Herren, Exzellenzen. Ich möchte sie alle herzlich begrüßen, vor allem unsere Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel. Ich bin Ismail Yozgat. Mein Sohn starb in meinen Armen am 6.4.2006 in dem Internet-Café, wo er erschossen wurde.“

Im Frühjahr 2016 treffen sich genau zehn Jahre nach dem Mord an Halit Yozgat einige hundert Menschen in der Nähe des Tatortes in der Holländischen Straße in Kassel. Ismail Yozgat appelliert noch einmal an die Behörden nicht nachzulassen, bis die genauen Umstände des Mordes an seinem Sohn aufgeklärt sind.

Wir werden bis zum Ende unseres Lebens darauf warten, dass dieses Problem gelöst wird. So gelöst wird, dass die Täter gefasst werden – die Hintermänner.“

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