Deutschlandradio| Wie Usedom zu Deutschlands AfD-Hochburg wurde


Von Silke Hasselmann

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Auf der Ostsee-Insel Usedom bekam die AfD bei der Landtagswahl im September jede dritte Stimme – so viele wie in keinem anderen Wahlkreis. Es folgte eine Debatte über Fremdenfeindlichkeit der Insel, die vom Tourismus lebt. Einige Usedomer sagen, das Wahlergebnis habe andere Gründe.

Egal, wohin genau es auf der Insel Usedom gehen soll – an den 42 Kilometer langen, mitunter 70 Meter breiten Sandstrand oder hinein ins herrliche Hinterland mit Bodden und Achterwasser – zu Land gibt es nur zwei Zugänge. Den südlichen hinter Anklam und den nördlichen bei Wolgast.

Ich komme von Norden. Meine erste Usedom-Station: Die Wolgaster Schlossinsel mitten im Peenestrom, der die Insel Usedom auf ihrer nördlichen Seite begrenzt. In der Hafenstraße führt Henry Hahn sein Geschäft namens „Wolgaster Schiffsausrüster“.

Autorin: „Herr Hahn, wenn wir vor die Tür ihres Ladens treten, dann haben Sie den Blick direkt auf die ehemalige Peene-Werft, heute Lürssen. Wie viele Leute haben da zu Hochzeiten gearbeitet und wie viele sind es jetzt noch? Wissen Sie, was da auf der anderen Seite des Stromes los ist?“ 

Hahn: „Wir haben das zur Wendezeit gehabt, dass die Hegemann-Gruppe die Werft übernommen hatte. Da waren es ungefähr 1000 Angestellte, mit Zulieferern natürlich noch mehr. Dann ist die Umstrukturierung gewesen mit dem Zusammenschluss der P+S Werften. Da ist das Ganze auf 600 Leute runtergeschrumpft. Momentan mit Lürssen versucht man einen Neustart, und soweit ich die Zahlen mitgekriegt habe, liegen wir da bei 300 bis 400 Mitarbeitern.“ 

Wie er da so an der Kasse steht – großgewachsen, schlank, Kapitänsbart – wirkt Hahn wie ein weitgereister Seefahrer. Er lacht; zur See sei er nie gefahren.

„Ich versuche das immer so ein bisschen nach außen hin – und das kommt auch, glaub ich, glaubwürdig rüber: ‚Ich bin der Seebär im Hafen‘.“

Schiffsausrüster Hahn hat nichts mit den politisch umstrittenen Patrouillenbooten für Saudi-Arabien zu tun, die die Bremer Lürssen-Gruppe derzeit in Wolgast bauen lässt. Vielmehr verkauft er in seinem maritimen Tante-Emma-Laden vielmehr Miniaturleuchttürme, Muscheln, Post- und Seekarten. Aber auch Schiffselektronik, wasserfeste Arbeitsbekleidung, Bootshaken für Fahrgastschiffe, Angelkutter, Freizeit-Schipper. Er biete den Seglern zudem Drahtseil- und Tauwerkarbeiten für deren Boote an, sagt der 42-Jährige, der den Laden vor zwei Jahren von seinem Vater übernommen hatte.

 

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