n-tv| „Wir müssen wehrhaft werden!“ Björn Höcke in sieben Szenen


Früher Geschichtslehrer, heute AfD-Chef in Thüringen und Fraktionsvorsitzender der AfD im Erfurter Landtag. Björn Höcke hat es in der AfD weit gebracht. Geht es nach dem Willen des AfD-Bundesvorstands, ist diese Karriere jetzt beendet: Das Gremium stimmte am Montag mit Zweidrittelmehrheit für Höckes Ausschluss aus der Partei.

Noch ist es nicht so weit, die Entscheidung liegt bei den Schiedsgerichten der AfD. Klar ist: Höcke steht nicht nur im Mittelpunkt eines Machtkampfes, sondern in gewisser Weise auch in der Mitte der Partei – nicht mit seinen politischen Ansichten, wohl aber mit seinem Netzwerk. Wer ist dieser Mann? Sieben Szenen, die diese Frage beantworten.

30. Juli 2014: Erster Auftritt in der Bundespressekonferenz

Im Spätsommer 2014 stehen drei Landtagswahlen an. Am 30. Juli stellt der damalige AfD-Vorsitzende Bernd Lucke die drei Spitzenkandidaten vor. Zwei von ihnen sind bereits leidlich bekannt, Luckes Co-Vorsitzende Frauke Petry, die den sächsischen Landesverband führt, sowie Alexander Gauland aus Brandenburg.

Nur der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke, ein Geschichtslehrer aus Hessen, ist noch ein Nobody. Sein erster Auftritt vor der Hauptstadtpresse lässt die Journalisten teils schmunzeln, teils die Augenbrauen hochziehen. Er spricht sie als „liebe Freunde“ an und diktiert dann seine Botschaft. „Höcke. Doppelpunkt. Anführungszeichen unten. Die politische Korrektheit liegt wie der Mehltau auf unserem Land und ich bin angetreten, um sie abzuräumen.“

Nicht weniger skurril ist Höckes Auftritt ein paar Wochen später. In Thüringen erreicht die AfD am 14. September 10,6 Prozent der Stimmen. Die AfD habe einen „vollständigen Sieg“ errungen, sagt er auf der Wahlparty in Erfurt. Eine „neue Epoche der Parteiengeschichte“ habe begonnen. Die AfD nennt er eine „blaue Bewegung, die unser gesamtes Vaterland in eine bessere Zukunft“ führen werde. Hans-Olaf Henkel, damals noch stellvertretender AfD-Vorsitzender, sagt n-tv.de später, die Art, wie Höcke seinen Triumph gefeiert habe, hätten ihn denken lassen: „Hoppla, was ist denn mit dem los? Er ist mit seinem Erfolg nicht fertig geworden.“

14. März 2015: Die „Erfurter Resolution“

Lucke und Henkel verlassen die AfD im Sommer 2015, nachdem sie den Machtkampf mit Petry verloren haben. Gegen den Lucke-Flügel steht Höcke an vorderster Front. In dramatischer Sprache beschwört die von ihm initiierte „Erfurter Resolution“ eine radikalere Politik.

Der Parteiführung wirft Höcke „Technokratentum“, „Feigheit“ sowie „Verrat an den Interessen unseres Landes“ vor. Der Text signalisiert eine Nähe zur rechtsradikalen Identitären Bewegung: Die AfD wird „als Bewegung unseres Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte (Gender Mainstreaming, Multikulturalismus, Erziehungsbeliebigkeit usf.)“ beschrieben sowie „als Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“.

 

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