Deutschlandradio| Der rätselhafte Mord an Burak Bektaş


Von Thilo Schmidt

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2012 wird in Berlin-Neukölln der 22-jährige Burak Bektas erschossen. Der Mord ist bis heute ungeklärt. Hinweise deuten auf einen rechtsextremen Tathintergrund, konkrete Beweise fehlen jedoch.

Die Abendschau berichtet: „97 Hinweise hat die Polizei, aber keine heiße Spur. Nachdem im April ein Unbekannter in eine Gruppe von fünf jungen Männern schoss. Einer von ihnen, der 22-jährige Burak, verblutete am Tatort. Zwei weitere wurden schwer verletzt.“

Es ist die Nacht vom vierten auf den fünften April 2012. Fünf junge Männer stehen auf der Straße vor dem Krankenhaus im Neuköllner Ortsteil Buckow. Alle sind Migranten. Sie haben sich an diesem Abend zufällig getroffen.

„Wir standen halt hier und haben ein bisschen gequatscht, und dann haben wir den Täter schon neben uns gesehen.“ – „Dann hat er schon direkt seine Waffe rausgezogen.“

Der Täter taucht aus dem Nichts auf, schießt mehrfach auf die Gruppe und verschwindet in der Dunkelheit.

„Alle lagen auf dem Boden, Alex und Markus hier, Burak da.“

Alex A. und Jamal A. werden lebensgefährlich verletzt. Burak Bektaş überlebt die Attacke nicht.

„Da hab ich erst realisiert, dass es ’ne echte Waffe sein muss. Da wusste ich, dass es ’ne ernste Situation ist.“ – „Ich hatte nicht das Gefühl, dass er gezielt einen treffen wollte. Ich hatte eher das Gefühl, dass er einfach blind auf die Gruppe losgeschossen hat.“

Die Familie Bektaş wohnt nur ein paar Minuten vom Tatort entfernt, in einer bürgerlichen Einfamilienhaussiedlung. Bald fünf Jahre ist es her, dass Burak nicht mehr nach Hause kam.

„Burak war in Familie ein ganz beliebter Junge. Er war unser erstes Kind. Er war ein sehr glücklicher und beliebter und sehr fröhlicher Junge.“

Buraks Mutter Melek reicht Kuchen und Çay, türkischen Tee. Wir sitzen im Wohnzimmer. Im Fernsehen läuft ein türkischer Nachrichtensender. Melek Bektaş ringt um Fassung. Der Mörder ihres Sohnes ist noch nicht gefasst. Der Tatort liegt um die Ecke. Möglich, dass der Mörder in ihrem Viertel wohnt.

War die Tat rassistisch motiviert?

Ein Mord, für den es scheinbar kein Motiv gibt. War es ein rassistischer Mord? Die Enttarnung des NSU war gerade ein halbes Jahr her. Es gibt Parallelen: Ein weißer Mann schießt wortlos auf Migranten. In Berlin gründen linke Aktivisten die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş“. Zusammen mit der Familie organisiert die Initiative jeden Monat eine Mahnwache am Tatort.

Auch Helga Seyb ist heute Abend zu Gast bei Familie Bektas. Sie berät Opfer von Gewalttaten beim Berliner Verein „Reach Out“ und suchte den Kontakt zu Melek Bektas. Später gründete sie mit Anderen die „Initiative zur Aufklärung des Mordes“.

„Auch hab‘ ich den Eindruck, dass wir offen miteinander reden können, was es für Ideen auch noch gibt, wie man diesen Mörder vielleicht noch finden könnte. Also wir können zusammen überlegen, wir können zusammen auch Ideen entwickeln, was man noch machen könnte.“

 

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