AfD – Höcke und das Nazi-Problem


Nicht erst seit Höcke hat die AfD ein Nazi-Problem, tummeln sich im Kreise dieser Partei zuhauf alte und neue Nazis, aller möglichen Richtungen. Im direkten Umfeld von Höcke gibt es da zum Beispiel seinen Mitarbeiter Torben Braga.

SWR-Report:

Höcke und die Nazis

Teile der AfD suchen den Schulterschluss mit Rechtsextremen

Moderation Fritz Frey:

Björn Höcke, Landesvorsitzender der AfD in Thüringen, ist als ein Redner bekannt, der sich immer wieder aufs Neue an die braune Grenze des Zulässigen heranschwurbelt.

Das war so, als er im Frühjahr 2015 erklärte, nicht jedes NPD-Mitglied sei extremistisch. Das war so, als er Ende 2015 über unterschiedliche Reproduktionsstrategien von Europäern und Afrikanern schwadronierte. Und vor wenigen Tagen ist er erneut aufgefallen: Dieses Mal, weil er das Holocaustmahnmahl in Berlin als ein Denkmal der Schande bezeichnet hat.

Gezielte Provokationen, die auf fruchtbaren Boden fallen. Derzeit sieht unsere ARD-Umfrage die AfD bei 14 Prozent.

Wie tief steckt Björn Höcke im braunen Sumpf? Das wollten Heiner Hoffmann und Christian Saathoff wissen.

Bericht:

Holocaust-Gedenkstunde am KZ Buchenwald bei Weimar. Er provoziert einen Eklat: Björn Höcke von der AfD. Er hat Hausverbot, taucht trotzdem auf.

 

O-Ton, Björn Höcke, AfD:

„Ich bin betroffen und ich bin entsetzt.“

 

Einmal mehr inszeniert sich Höcke nach seinem Auftritt als Opfer – für ihn ein medialer Coup.

 

O-Ton, Björn Höcke, AfD:

„Ablauf wie geprobt, ja?“

 

Immer an seiner Seite: Torben Braga, sein persönlicher Assistent – hier zu sehen im vergangenen Jahr bei einem AfD-Treffen mit der Gruppe „Wir lieben Meiningen“. Wo diese Gruppe steht, daran lässt sie selbst keinen Zweifel.

„Wir lieben Meiningen“ zeigt sich gerne bei Neonazi-Veranstaltungen, hier an einem Stand gemeinsam mit einem NPD-Aktivisten. Zu erwerben: Mützen und T-Shirts mit dieser Aufschrift.

Torben Braga, der Assistent von Björn Höcke, schreibt, das Treffen mit „Wir lieben Meiningen“ diente der Vorbereitung einer Debatte im Landtag. Ein lockerer Informationsaustausch mit Neonazis also. Was sagt sein Chef dazu?

Frage: Ihr persönlicher Assistent hat vor kurzem eine Neonazi-Gruppierung in Meiningen getroffen. Ist das eine Zusammenarbeit in Ihrem Sinne?

Keine Antwort. Björn Höcke vor zwei Wochen in Dresden. Mit dieser Rede geriet er wieder einmal in die Schlagzeilen:

 

O-Ton, Björn Höcke, AfD:

„Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

 

Doch nicht nur die Rhetorik war an diesem Abend radikal. Denn vor Ort waren auch mehrere rechtsradikale Gruppen – bei einer Veranstaltung, die nur nach schriftlicher Anmeldung besucht werden konnte.

Sie waren auch dabei: Uta Nürnberger und Jens Wilke, beide im Vorstand der vermeintlichen Bürgerinitiative Thügida. Thügida wird vom Verfassungsschutz als klar rechtsextrem eingestuft, wirbt auf ihren Seiten offen für einen Neonazi-Versandhandel, der auch Adolf- und Eva-Bettwäsche vertreibt.

Vorstand Jens Wilke hat im vergangenen Jahr für die NPD kandidiert. Die Höcke-Veranstaltung hat ihn begeistert:

 

O-Ton, Jens Wilke, Vorstand Thügida:

„Die Uta Nürnberger ist eingeladen worden und hat mich halt mitgenommen. Hat gefragt, ob noch ein Platz quasi frei wäre, hat mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Und da habe ich natürlich gesagt: Klar, Björn Höcke live erleben, wir waren ja häufiger in Erfurt auf seinen Demos. Ist eine super Möglichkeit und deswegen bin ich gerne mitgefahren.“

 

Der Veranstalter, die Junge Alternative, bestreitet das auf Anfrage. Kurz vor Beginn seien noch einige unangemeldete Personen eingelassen worden. Dabei hieß es noch am gleichen Tag, eine Teilnahme ohne Anmeldung sei nicht möglich.

Wir recherchieren zu weiteren Verbindungen. Uns liegen Nachrichten einer geschlossenen Facebook-Gruppe der „Identitären Bewegung“ vor – einer rechtsextremen Truppe, die im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte, als sie das Brandenburger Tor besetzte. Mehrere Behörden stufen sie als verfassungsfeindlich ein.

Damals ein Mitglied der geheimen Facebook-Gruppe: Jana Schneider, inzwischen Vorsitzende der AfD-Jugend in Thüringen, Mitarbeiterin einer AfD-Abgeordneten im Landtag. Sie schrieb über die Zusammenarbeit zwischen Rechtsextremen und AfD:

 

O-Ton, Zitat:

„… ich finde parallele Stränge besser als die Fixierung auf nur eine aktionistische Bewegung. Eine Partei erreicht eben viel mehr Personen […] Wichtig ist die Vernetzung, die Zusammenarbeit statt Zersplitterung.“

 

Wir fragen bei Jana Schneider nach. Per Email schreibt sie, heute sehe sie das anders, verweist auf einen Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD. Weitere Gespräche mit der „Identitären Bewegung“ schließe sie kategorisch aus.

Der Thügida-Chef Jens Wilke meint jedenfalls, dass Neonazis endlich eine Stimme in der AfD finden – und wirbt im Gegenzug offen für die Partei:

 

O-Ton, Jens Wilke, Vorstand Thügida:

„Die AfD ist für uns, für mich, definitiv aktuell der parlamentarische Arm, den wir brauchen. Und da es ja, Gott sei Dank, genügend auch tatsächlich echte Patrioten in der AfD gibt, sehe ich definitiv die AfD als, ja, Bindeglied zwischen Parlament und Straße.“

 

Und das offenbar nicht nur in Thüringen. Raguhn, Sachsen-Anhalt, AfD-Landeschef André Poggenburg vor Kurzem bei einer Demo. Mit dabei, auf dem AfD-Pult: Julia Schwarze, auch bekannt als „Sachsenmädel“, eine der Rednerinnen der neonazistischen Thügida von Jens Wilke.

Mit André Poggenburg pflegt sie offenbar einen herzlichen Umgang.

 

O-Ton, André Poggenburg, AfD, Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt:

„Mir ist das nicht ganz so wichtig, wo jemand dann irgendwo mal aufgetreten ist. Mir ist wichtig, was derjenige sagt. Und darüber habe ich mir, soweit mir das möglich war, auch Kenntnis verschafft, auch bei dieser Dame, und habe da jetzt nichts dran gefunden, was da dagegen gesprochen hätte.“

 

Dabei dauert es nur ein paar Minuten, bis wir auf ihrer Facebook-Seite diese Rede finden:

 

O-Ton, Julia Schwarze:

„Nur so viel, meine lieben muslimische Mitbürger! Eine einzelne deutsche Frau ist mehr wert, wie ihr alle zusammen.“

 

Besuche bei Neonazis, Auftritte mit rechtsextremen Hetzern – die AfD im Osten versteckt ihr Kungeln mit dem äußerst rechten Rand nicht einmal mehr.

Quelle: SWR-Report

MyHeimat| Björn Höcke beschäftigt Neonazi als Assistenten

Aktuell findet sowohl innerhalb der AfD, als auch gesamtgesellschaftlich eine Debatte über den Umgang mit extrem rechten AfD’lern wie Björn Höcke statt. In dieser Debatte ist es allerdings auch interessant, einen Blick auf seinen Pressesprecher und rechte Hand zu werfen: Den Neonazi Torben Braga.

Seine parlamentarische Karriere in der thüringischen AfD begann Braga mit einem Praktikum im Thüringer Landtag. Dort gab es einen Eklat, als er in den Innenausschuss geschickt und von dort wieder ausgeschlossen wurde. [1]
Nach seinem Praktikum übernahm er im Landtag die Assistenz des Fraktionsvorsitzenden [2], in dieser Funktion begleitete Braga Björn Höcke nicht nur bei seinem Versuch, die KZ-Gedenkstätte Buchenwald zu besuchen, sondern tritt auch teilweise als sein Pressesprecher auf [3] und ist als seine rechte Hand anzusehen.

Interessant ist allerdings besonders Bragas Studienzeit in Marburg. Seit dieser ist er Mitglied der extrem rechten Burschenschaft Germania Marburg, die zum Dachverband der extrem rechten Deutschen Burschenschaft gehört. 2015 hatte die Germania Marburg den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft inne und Braga war Sprecher derselben. Warum die Burschenschaft Germania kein Naziproblem hat, sondern selber eines ist, wurde bereits 2014 thematisiert. [4] Im Februrar selben Jahres verteilten Burschen der Germania Marburg in der Mensa Flyer für genau den Naziaufmarsch in Dresden, der 2010 von Höcke besucht wurde. [5]

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