tagesspiegel| AfD-Vorsitzende: Frauke Petrys scheinheilige Höcke-Distanzierung


Nach der Dresdner Rede pochte die AfD-Vorsitzende auf den Parteiausschluss des Rechtsauslegers. Dabei steht sie ihm geschichtspolitisch nahe, wie ein abenteuerlicher KZ-Vergleich zeigt.

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Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad!“, hat Björn Höcke im Januar in seiner berüchtigten Dresdner Rede gefordert. Schluss mit der „Pflicht zur Selbstauflösung“, mit der „lähmenden Vergangenheitsbewältigung“, mit dem „Mies- und Lächerlichmachen“ der deutschen Geschichte. Ein Aufruf zum großen Vergessen, zum Hinwegsehen über den Holocaust und zu einem neuen, dampfend völkischen Nationalstolz. Die Empörung war groß, sogar in der eigenen Partei. Die Bundessprecherin Frauke Petry forderte Höckes Ausschluss aus der AfD. Anfangs jedenfalls. Am Ende durfte Höcke bleiben, Petrys Ermahnungen erwiesen sich als Rhetorik. Und die Umfrageergebnisse der Partei bekamen eine Delle nach unten.

Aber die 180-Grad-Wende hat bereits stattgefunden. Geschichtspolitisch liegen Frauke Petry und Björn Höcke nicht weit auseinander. Das „Wall Street Journal“ veröffentlichte in dieser Woche eine lange Analyse mit der Überschrift „Die deutschen Rechten glauben, dass es an der Zeit ist, die historische Schuld des Landes abzustreifen“. Darin wird Petry zitiert, Besuche in Konzentrationslagern seien für Schüler wichtig, um zu verstehen „was Menschen Menschen antun können“. Sie fügt hinzu: „Im gleichen Maße sollte man sie darüber informieren, dass die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg es den deutschen Kriegsgefangenen erlaubten, in Lagern auf den Rheinwiesen zu verhungern.“

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