Das Blättchen| NSU. 27 Tatorte und von den Tätern keine Spuren


von Gabriele Muthesius

Am 9. März hat der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages seine öffentliche Beweisaufnahme abgeschlossen und wird demnächst seinen Abschlussbericht vorlegen. Ende April erschien in der taz ein Interview, das der Ausschussvorsitzende Clemens Binninger (CDU) gemeinsam mit Petra Pau, die DIE LINKE im Ausschuss vertritt, gegeben hat. Darin wiederholte Binninger eine Feststellung, die auch im Rahmen der BlättchenBerichterstattung über den NSU-Komplex [1] bereits zur Sprache gekommen ist: „[…] an keinem der NSU-Tatorte fanden sich DNA-Spuren von Mundlos, Böhnhardt oder Zschäpe. Nicht bei den zehn Morden, nicht bei den zwei Anschlägen, nicht bei den 15 Raubüberfällen. Das ist ein Phänomen.“[2] Und kurz darauf äußerte Binninger mit Bezug auf die Periode unmittelbar nach dem Abtauchen des Trios Mundlos/Böhnhardt/Zschäpe in die Illegalität: „Da wird ein Trio öffentlich gesucht, mit Haftbefehl. Und was machen die, wo alle denken, die verhalten sich unauffällig? Sie verüben gleich zu Beginn vier Morde, zwei Banküberfälle und einen Sprengstoffanschlag. Von Hamburg bis München, von Köln bis Chemnitz. Ohne irgendwo Spuren (also ebenfalls keine Fingerabdrücke – G.M.) zu hinterlassen. So etwas habe ich noch nie erlebt in der Kriminalgeschichte.“[3]

Zu diesem „Phänomen“ gehört der Polizistenmord von Heilbronn, der sich gerade zum zehnten Male jährte: Am 25. April 2007 parkten die Beamten Michèle Kiesewetter und ihr Kollege Martin Arnold während ihres regulären Streifendienstes mit ihrem Dienstfahrzeug kurz vor 14:00 Uhr auf dem auch als öffentlicher Parkplatz genutzten innerstädtischen Festplatz Theresienwiese, als sich Täter – nach offizieller Lesart der Bundesanwaltschaft Mundlos und Böhnhardt – dem Fahrzeug näherten und die beiden Beamten mit Kopfschüssen attackierten. Kiesewetter war sofort tot, Arnold überlebt schwerverletzt. Bevor die Täter sich entfernten, machten sie sich an den Opfern zu schaffen, um deren Dienstwaffen an sich zu bringen.[4]

 

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