thueringenrechtsaussen| Von der Wikingjugend zu Höcke – ehemaliger Neonazi-Funktionär arbeitet in der Thüringer AfD-Fraktion


In der Thüringer AfD-Fraktion arbeitet ein früherer Aktivist inzwischen verbotener Neonazi-Organisationen, der für indizierte Rechtsrock-Musik von Frank Rennicke und rechte Literatur das Layout produzierte. Heute entwirft er unter Björn Höcke Propaganda für die AfD.

Am 1. Mai 2017 folgten etwa 1.200 Menschen dem Aufruf der Thüringer AfD, in Erfurt auf die Straße zu gehen. Das provokante Motto am internationalen Tag der ArbeiterInnenbewegung lautet: „Sozial ohne rot zu werden!“ In ihren Reden attackierten mehrere Vertreter der Rechtspartei die Gewerkschaften und beschimpften sie als „Arbeiterverräter“. Für die Veranstaltung, die von der Landespartei bei den Behörden angemeldet worden war, warben sowohl der Landesverband als auch die Landtagsfraktion auf ihren Websites mit einer Grafik, auf der ein Mann mit dem Blau der AfD das Rot der ArbeiterInnenbewegung übermalt. Auffällig war die Mütze des Anstreichers in der Grafik: Sie erinnert durch ihre spezielle Form an die Kopfbedeckungen der SA.

„Status 88“ – verbotene Organisationen: WJ, FAP und NF

Seit mindestens Frühjahr 2017 ist Jirka Buder als „Grafiker & Mediengestalter“ für die Landtagsfraktion tätig, ein paar Wochen steht sein Name bereits auf der Fraktionshomepage. Hat er die Grafik für die Veranstaltung am 1. Mai entworfen? Denkbar wäre es, denn das heutige AfD-Mitglied ist für Beobachter des bundesdeutschen Neonazis ein alter Bekannter. Anfang der 1990er Jahre war er im Trommlerzug der Neonazi-Partei „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP), der neonazistischen „Wiking Jugend“ (WJ) sowie der „Nationalistischen Front“ (NF) aktiv. Alle drei Organisationen wurden verboten. Wiederholt nahm er in den 1990er Jahren an Neonazi-Aufmärschen teil, unter anderem an der Beerdigung des Neonazis Rainer Sonntag im Juni 1991 in Dresden oder mit brennender Fackel in der Hand im November 1991 in Halbe.

1994 trat Buder aus der „Wiking-Jugend“ aus. Doch seinen Austritt begründete er nicht etwa mit deren neonazistischer Ausrichtung, sondern mit ihrer politischen Wirkungslosigkeit und mangelnder Innovation: „Man machte sich auch wenig Mühe, meine zahllosen Verbesserungsvorschläge ernsthaft zu überdenken“, klagte er. Und: „Der Erfolg der WJ erschöpft sich lediglich in der Tatsache, daß sie noch besteht. Wäre alles gut und richtig gelaufen, müßte der prägende Einfluß der WJ größer sein. Wo sind die 15 000 Jugendlichen, die nach den Worten des Altbundesführers durch die Schule der WJ gegangen sind?! – Auf der 40-Jahrfeier sah man sie…. Daran muß sich die WJ messen lassen.“

 

weiterlesen

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: