BR24| NSU-Morde in Nürnberg: Oberflächliche Ermittlungen gegen Rechtsextreme


Vor zwölf Jahren wurde Ismail Yaşar ermordet, mutmaßlich vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Interne Unterlagen zeigen nun, wie oberflächlich die Polizei ermittelte.

Von: Jonas Miller und Martin Hähnlein

Am 9. Juni 2005 wurde Ismail Yaşar in seiner Nürnberger Dönerbude durch vier Schüsse in Kopf und Oberkörper ermordet – die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat auf das Konto von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt geht. Bislang ist ungeklärt, ob die Neonazis alleine handelten oder es Unterstützer in Nürnberg gegeben hat.

Ermittlungen gegen Hinterbliebene

Ismail Yaşars Sohn war zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alt. Bis heute fragt er sich, warum ausgerechnet sein Vater sterben musste. Sein Gesicht möchte er nicht zeigen und auch sein Vorname soll nicht genannt werden. Er übt scharfe Kritik an den Ermittlungen der Polizei.

„Immer wieder wurden meine Mutter und ich von der Polizei befragt und beschuldigt, ich musste mir Fingerabdrücke abnehmen lassen und wurde selbst kriminalisiert. Aber um die Hintergründe geht es der Polizei nicht. Da soll ganz viel vertuscht werden, vermute ich.“

Sohn von Ismail Yaşar

NSU-Opfer | Bild: picture-alliance/dpa

Ismail Yaşar und die anderen Mordopfer

Während der bundesweiten Mordserie gingen Fallanalytiker des bayerischen Landeskriminalamts 2006 von rechtsextremen Tätern aus, die aus rassistischen Motiven töteten. Aufgrund dieser These führte die Nürnberger Kriminalpolizei sogenannte Gefährderansprachen bei Rechtsextremisten im Großraum Nürnberg durch, um Informationen zu erlangen.

Ansprachen bei Neonazis

Neun Neonazis wurden von den Ermittlern auf die Mordserie angesprochen. Die Protokolle, die dem Bayerischen Rundfunk exklusiv vorliegen, wurden alle nach demselben Muster geführt. Ein Kripo-Beamter fragte die Verdächtigen, ob sie etwas mit der Mordserie zu tun oder etwas aus der Szene gehört haben. Die Rechtsextremisten verneinten oder zeigten sich „ungehalten über die Ansprache“, wie es ein Kripo-Beamter in einem internen Vermerk beschrieb. Wer sich nicht kooperativ zeigte, wurde in Ruhe gelassen. Weitere Ermittlungen blieben aus, die Spur in die rechte Szene wurde geschlossen.

Leitender Ermittler sieht keine Pannen

Der ehemalige Chefermittler der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) „Bosporus“, Wolfgang Geier, sieht in den oberflächlichen Ansprachen keine Versäumnisse seiner Beamten. Sie hätten schließlich intensiv in alle Richtungen ermittelt. Vielmehr übt Geier Kritik am Inlandsgeheimdienst:

 

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