Süddeutsche| Die Akte Strache – Vom Nazi zum Biedermann?


FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war als junger Mann in der Neonazi-Szene unterwegs. Wie tief steckte er wirklich drin? Eine Rekonstruktion.

Von Leila Al-Serori und Oliver Das Gupta

Nach wenigen Minuten reicht es Heinz-Christian Strache mit der Fragerei. Vielleicht ahnt er, dass er etwas zu viel erzählt hat. Er rutscht auf seinem Holzstuhl zurück, die Stimme bebt. „Es ist offensichtlich, dass Sie nur ein Thema interessiert“, sagt der FPÖ-Chef und kneift die Augen zusammen. Sein Pressesprecher fährt mit der Hand flach über den Tisch, Schluss jetzt. Das Thema ist heikel, sehr heikel: Straches Zeit in der Neonazi-Szene.

Bis dahin ist die Atmosphäre gelöst. Strache erzählt in der holzvertäfelten Stube eines historischen Innsbrucker Gasthauses aus seiner frühen Jugend. Er sitzt in flaschengrüner Trachtenweste locker auf seinem Stuhl, scherzt. Die Stimmung kippt, als Fragen zu seiner Phase im Milieu kommen. Für den 48-jährigen Strache, der drauf und dran ist nach der Parlamentswahl am 15. Oktober als Vizekanzler in der österreichischen Regierung zu sitzen, sind diese mehr als nur unangenehm.

Vor zehn Jahren gab es dazu einige Enthüllungen in den Medien, meist belegt mit Fotos. Der FPÖ-Chef wackelte, aber er stürzte nicht.

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