mdr| Der Bombenbauer Albakr – Sein Weg von Damaskus nach Chemnitz / Versagen in Sachsen – Innen- und Justizminister in der Kritik


Am Abend des 12. Oktober 2016 wird der Syrer Jaber Albakr erhängt in einer Zelle in Leipzig aufgefunden. Zu diesem Zeitpunkt war er Deutschlands wichtigster Gefängnisinsasse – ein mutmaßlicher Terrorist des sogenannten Islamischen Staates. Einer, der möglicherweise unschätzbare Informationen im Hinblick auf zukünftige Anschläge hätte liefern können. Albakrs Tod ist das unrühmliche Ende in einer Serie beispiellosen Behördenversagens.

Dezember 2014 in der syrischen Hauptstadt Damaskus: Im Land herrscht Bürgerkrieg. Seit einigen Jahren wohnt der 20jährige Jaber Albakr hier in der Stadt. Er versucht, ein normales Leben zu führen, auch nachdem der Krieg im Land ausgebrochen ist.

Er war ein guter Schüler, von der Grundschule bis zur Uni. Er hat in Damaskus zwei Jahre lang Elektrotechnik studiert. 

Jabers Eltern Rasmeia und Ismail Albakr

Doch seine Familie gerät in die Wirren des Bürgerkrieges, dessen Front sich mitten durch sie zieht. Einige Verwandte kämpfen auf Seiten des Regimes, andere auf der Seite der Rebellen. Als zwei Onkel von Jaber von der Terrororganisation Islamischer Staat exekutiert werden, verliert er die Zuversicht. Er flieht über Algerien, Lybien und Italien nach Deutschland. Schließlich landet er in einer Erstaufnahmeeinrichtung im sächsischen Delitzsch. Seine Mitbewohner dort beschreiben ihn als ruhigen Menschen, der nicht sonderlich religiös ist. Auch Sozialarbeiter haben einen ähnlichen Eindruck von ihm.

Er war eigentlich ziemlich normal, ich hätte nie gedacht, dass er irgendwie gefährlich sein könnte. Eben wie ein Teenager. Er hatte Pläne. Mir hat er erzählt, er wolle studieren.

Mitbewohner

Im Juni 2015 wird er als Flüchtling anerkannt und bekommt eine eigene Wohnung in Eilenburg. Hier ist er auf sich allein gestellt. Einsamkeit und Heimweh hätten ihn zunehmend belastet, berichten Jabers Eltern. In dieser Situation scheint er offenbar vom IS rekrutiert worden zu sein. Im Herbst 2015 reist er nach Syrien und schließt sich dort nach Augenzeugen-Berichten einer Terrorgruppe des IS an. Ob er vor Ort kämpft, ist unklar. Jedoch erhält er offenbar eine Kampfausbildung. Nach späteren Erkenntnissen der Geheimdienste soll er von einem hohen Repräsentanten des IS den Auftrag zu einem Terroranschlag in Deutschland erhalten haben.

Anschlagsvorbereitungen in Chemnitz

Im Sommer 2016 kehrt Albakr nach Sachsen zurück – jedoch nicht an seinen Wohnort in Eilenburg. Vielmehr mietet er sich in Leipzig in einem Hotel ein, zieht später zu einem Landsmann nach Chemnitz. Offenbar beginnt er hier, einen Anschlag mit Sprengstoff vorzubereiten. Ein mögliches Ziel: der Flughafen Berlin-Tegel.

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