IW| FLÜCHTLINGE: Mehr als nur Hilfsarbeiter/ Kein Grund für Hetze gegen Flüchtlinge


Aktuell sind etwa 140.000 Menschen aus den acht Hauptasylherkunftsländern in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Drei Viertel von ihnen arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen. Knapp 60 Prozent sind als qualifizierte Fachkräfte beschäftigt, 40 Prozent in Helfertätigkeiten. Insgesamt zeigen sich erste Beschäftigungserfolge.

  • SVENJA JAMBO / CHRISTOPH METZLER / SARAH PIERENKEMPER / DIRK WERNER ·
  • IW-KURZBERICHT

Die Integration von Geflüchteten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Darüber sind sich alle einig. Für viele Betriebe ist die Integration in den Arbeitsmarkt allerdings eine Herausforderung. Denn bei Geflüchteten reichen häufig Deutschkenntnisse noch nicht aus, berufliche Fachkenntnisse fehlen oder ausländische Abschlüsse sind schwer einzuschätzen (Flake et al., 2017). Doch es gibt inzwischen erste Erfolge der Integration zu berichten, wie aktuelle Arbeitsmarktzahlen zeigen. Der vorliegende Bericht betrachtet dafür sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus den acht nichteuropäischen Asylherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien zum Stand 31. März 2017. Es handelt sich allerdings nicht ausschließlich um Geflüchtete, da der Aufenthaltsstatus erst ab Sommer 2016 statistisch erfasst wird.

Der Mittelstand integriert FlüchtlingeAnteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Unternehmensgröße in Prozent32,867,224,375,7Alle BeschäftigteAsylherkunftsländerGroße BetriebeKleine und mittlere Betriebe0255075100Stand: 31. März 2017Große Betriebe: mit 250 Mitarbeitern und mehr; Kleine und mittlere Betriebe: mit bis zu 249 MitarbeiternQuelle: Bundesagentur für Arbeit, 2017, Migrations-Monitor Arbeitsmarkt- Teil IVBeschäftigte nach Staatsangehörigkeiten (Quartalszahlen), eigene Berechnungen

 

Viele Syrer in Beschäftigung

 

Insgesamt sind knapp 140.000 Menschen aus den genannten Staaten in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung tätig. Hierunter fallen auch Auszubildende und Praktikanten. Fast ein Viertel aller Beschäftigten aus den acht Asylherkunftsländern sind Syrer. Dies verwundert kaum, da bereits seit 2014 mit Abstand die meisten Asylanträge in Deutschland von Syrern gestellt wurden. Ein weiteres Fünftel sind Afghanen, gefolgt von Irakern (15 Prozent) und Iranern (14 Prozent) (BA 2017; BAMF 2017).

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Beschäftigten aus den acht Asylherkunftsländern um knapp 47.000 Personen und damit deutlich gestiegen. Allerdings entfiel ein gutes Drittel des Anstiegs auf geringfügig Beschäftigte, von denen Ende März 2017 rund 50.000 der insgesamt 140.000 Beschäftigten zu verzeichnen waren. Am stärksten war der Anstieg bei der Beschäftigung von Syrern, deren Zahl sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hat.

Der Mittelstand ist bei der Integration besonders engagiert

Die Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen ein besonderes Engagement von kleinen (1-9 Beschäftigte) und mittleren Betrieben (10 bis 249 Beschäftigte) bei der Beschäftigung von Menschen aus Asylherkunftsländern. Während in Deutschland insgesamt gut zwei Drittel aller Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) angestellt sind (67,2 Prozent), sind drei Viertel aller Beschäftigten aus Asylherkunftsländern dort tätig (75,7 Prozent). Dies zeigt, dass die Integrationspotenziale in KMU am größten sind. In Großbetrieben (ab 250 Beschäftigte) ist der Anteil hingegen deutlich geringer: Während insgesamt jeder Dritte Beschäftigte dort angestellt ist, ist es unter den Beschäftigten aus Asylherkunftsländern nur knapp jeder Vierte (BA, 2017). Allerdings zeigt sich in der Praxis vielerorts inzwischen eine gute Arbeitsteilung. Viele Geflüchtete werden in Praktika und Einstiegsqualifizierungen in großen Unternehmen für den Arbeitsmarkt fit gemacht und wechseln anschließend in Ausbildung oder Beschäftigung in KMU.

Gute Chancen in Dienstleistungen und Zeitarbeit

Fast ein Fünftel der Beschäftigten aus Asylherkunftsstaaten ist im Wirtschaftszweig „Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ tätig (21,7 Prozent). Hierzu gehören u. a. der Wach- und Sicherheitsdienst, die Gebäudebetreuung sowie der Garten- und Landschaftsbau. Insgesamt liegt die Beschäftigungsquote aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland in diesem Bereich bei lediglich 7,2 Prozent. Somit sind Menschen aus Asylherkunftsländern hier deutlich überproportional vertreten. Fast neun Prozent aller Beschäftigten aus Asylherkunftsländern (alle Beschäftigte: 2,6 Prozent) sind im Rahmen der Zeitarbeit tätig, die ebenfalls zur Dienstleistungsbranche zählt. Die Zeitarbeit stellt für sie eine gute Option für den ersten Einstieg in den Arbeitsmarkt dar und verfügt über viel Erfahrung bei der begleitenden Qualifizierung und Sprachförderung.

 

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