Hajo Funke| Der Ascher-Mittwoch der Gauland-Partei / Nach der völkisch-rassistischen Hetze Poggenburgs ist der Rubikon überschritten. Es reicht.


Laut AFP hat der AfD-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, sich am Aschermittwoch vom 14. Februar auf einer Großveranstaltung der AfD von vier ostdeutschen Landesverbänden unter großem Beifall rassistisch geäußert. AFP schreibt:

„Der AfD-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt war in einer Rede zum politischen Aschermittwoch auf die Kritik der Türkischen Gemeinde an dem geplanten Heimatministerium auf Bundesebene eingegangen. Sofuoglu hat dies mit einem Verweis auf die deutsche Geschichte abgelehnt. „Diese Kümmelhändler haben selbst einen Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern am Arsch, für den sie bis heute keine Verantwortung übernehmen“, sagte Poggenburg. „Und die wollen uns irgendetwas über Geschichte und Heimat erzählen? Die spinnen wohl“, sagte Poggenburg in der im Internet als Video veröffentlichten Ansprache. „Diese Kameltreiber sollen sich dorthin scheren, wo sie hingehören“, fügte der zum rechten Flügel seiner Partei zählende Poggenburg hinzu. „Hier haben sie nichts zu suchen und nichts zu melden.“ Über die doppelte Staatsbürgerschaft sagte Poggenburg, diese bringe nichts hervor „als heimat- und vaterlandsloses Gesindel, das wir hier nicht länger haben wollen“.“Diese Kameltreiber sollen sich dorthin scheren, wo sie hingehören“, fügte der zum rechten Flügel seiner Partei zählende Poggenburg hinzu.

André Poggenburg weiß, wie er rassistisch hetzt. Es geht um die größte Minderheit in Deutschland, die in Deutschland lebenden Türken, die hier nach seiner Ansicht nichts zu suchen und nichts zu melden haben (…) heimat- und vaterlandsloses Gesindel sind, die wir hier nicht länger haben wollen. Das ist völkisch-rassistische Hetze pur. Niemand ist  eingeschritten, als die Masse in der sächsischen Schweiz gegen den deutschen Staatsbürger Cem Özdemir getobt hat und abschieben abschieben gerufen hat. Hetze war auch, als Poggenburg gegen eine ganze Gruppe im Landtag von Magdeburg, ohne auch nur gerügt zu werden, von einer Wucherung am Volkskörper sprach. Ich muss gestehen, dass jemand wie Poggenburg die Mobinstinkte nicht schlechter mobilisiert als Joseph Goebbels, seit er in der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre Gauleiter in Berlin war.

Dies alles ist längst nicht mehr Ausdruck einer kalkulierten Provokation, sondern Ausdruck der Stimmungslage dieser „fundamental-oppositionellen Bewegungspartei“ (Höcke), der rassistischen Gesinnung des dominierenden Teils dieser Partei, des sogenannten Flügels. Inzwischen gehört Rassismus zur Kernideologie dieser rechtsradikalen Partei. Daran bestand schon nach dem letzten Parteitag Anfang Dezember 2017 kein Zweifel mehr, als der Höcke-Flügel mithilfe von Alexander Gauland einen Sieg nach dem anderen feierte. Wir haben es inzwischen mit einer mehrheitlich rechtsradikal ausgerichteten Parteiführung zu tun. Chancen der De-Radikalisierung sind mit dem Abtritt Frauke Petrys aus der Partei verschwunden. Bester Beleg ist, dass niemand mehr die Fusion von AfD und dem Rassisten Lutz Bachmann infrage stellt, obwohl es nach wie vor einen Unvereinbarkeitsbeschluss hierzu gibt.

Die Alternative für Deutschland macht zusammen mit Pegida unter der Leitung des Rassisten Lutz Bachmann, der Ein-Prozent-Bewegung von Götz Kubitschek, dem Compactmagazin-Herausgeber Jürgen Elsässer und den Identitären wie nie zuvor seit 1949 gegen die Republik mobil und sucht nach Wegen, in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg die Macht zu übernehmen.

 

Hajo Funke

 

Empfehlung: „gäriger haufen“

Eine Handreichung gegen die mittlerweile auch in der
Bundesrepublik erfolgreiche moderne Rechte um die
»Alternative für Deutschland«.
Die Bundestagswahl 2017 war ein Einschnitt. Die rechtsradikal
geführte AfD zog mit einem Stimmenanteil von 12,6% in den
Bundestag ein. Hajo Funke und Christiane Mudra analysieren
den Rechtsruck der Partei, in der der Flügel um Björn Höcke
mehr und mehr völkisch-nationale und rassistische Botschaften
stark machen kann. Die Verbindung tiefer sozialer und kultureller
Unzufriedenheit mit der Entfesselung von Aggressio nen gegen
Minderheiten hat der AfD mehr Wähler*innen gebracht, als viele
geglaubt haben.
Die Ideologen der modernen Rechten arbeiten auch an einer
alltags ästhetischen Modernisierung, ohne am Ziel der nationalen
Revolution Abstriche zu machen. Die größte Gefahr sehen die
Autor*innen darin, dass die modernen Rechten selbst sich als
gewaltfrei beschreiben, aber im Unterbau der Ideologie wie der
organisierten Bewegungskräfte sich die Ausrichtung auf Gewalt
massiv beschleunigt.
Doch es gibt Chancen, die neuen Rechten zu stellen: Wenn ihre
Widersprüche aufgedeckt werden, kann durch eine gute,
sozial sensible Politik der AfD ein beträchtlicher Teil ihrer
Wähler*innen wieder abspenstig gemacht werden.
9 783899 658217
ISBN 978-3-89965-821-7
VSA:
Eine Flugschrift
Hajo Funke / Christiane Mudra
Gäriger Haufen
AfD: Ressentiments, Regimewechsel & völkische Radikale

 

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