Zum Tod des Politikwissenschaftlers Elmar| Altvater Weltbürger des demokratischen Sozialismus (von Hajo Funke)| Tagesspiegel


Der Berliner Politikwissenschaftler Elmar Altvater schuf am Otto-Suhr-Institut der FU die Grundlagen für eine neue Richtung der Kapitalismuskritik. Der Nachruf eines Weggefährten.

Von HAJO FUNKE
 
Als wir mit anderen zusammen als junge Studenten Ende der 60er Jahre den Ökonomen Elmar Altvater nach Berlin holten und als Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität mit durchsetzten, war sein erstes Anliegen: mit uns die Arbeiter-Stadtteile Westberlins zu erkunden.

Von sofort an hat er als Lehrer und kritischer politischer Ökonom die soziale Frage mit der Perspektive einer freiheitlich sozialistischen Emanzipation verbunden. Er kannte seine bürgerlichen Ökonomen ebenso wie deren Kritiker, vor allem Karl Marx. Es ist vor allem auch Elmar Altvaters unermüdlichen Impulsen zu verdanken, dass es zu einer Rückbesinnung auf die Kritik der politischen Ökonomie zur Kennzeichnung der ökonomisch politischen Verhältnisse in der Gegenwart kam: dem, was wir Real-Analyse nannten.

Undogmatische kreative Analyse kapitalistischer Krisen

In Auseinandersetzung mit anderen wie Ernest Mandel akzentuierte Altvater die Bedeutung der Geld- und Finanzsphäre und der damit verbundenen Krisen – sehr aktuell, wie wir seit der Lehman-Krise 2008 und ihren Folgen bis heute erneut erfahren haben. Immer stärker und entschiedener weitete Elmar Altvater diese analytischen Perspektiven auf die Naturseite der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse aus und schuf damit Grundlagen für eine ökologisch-kritische Fundierung der Kapitalismuskritik.

Mit seinem profunden Wissen schrieb er Werke zur Analyse kapitalistischer Krisen, der Rolle der Währungen und zu den damals und bis heute beobachtbaren Krisen des Finanzkapitalismus – in den letzten dreißig Jahren mit der Soziologin Birgit Mahnkopf.

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