tagesspiegel| Naika Foroutan: „Es ist unser Land, verteidigen wir es gemeinsam“


Die Migrationsforscherin Naika Foroutan über ihre Angst um Deutschland, die Entmoralisierung der Gesellschaft durch rechte Extreme – und warum Gaucks Worte über Migranten verantwortungslos sind.

 
Wenn dieses Gespräch im Tagesspiegel erscheint, werden Sie und Ihre Familie schon im Urlaub sein. Ich drehe die alte Aufsatzfrage nach dem schönsten Ferienerlebnis einmal um: Was war Ihr schlimmstes Erlebnis vor den Ferien? Für eine Migrationsforscherin gab es da ja einiges.

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Die Diskussion darum, ob man Menschen retten darf, die im Mittelmeer ertrinken oder ob daraus Pull-Faktoren für eine Migration nach Europa entstehen und man deshalb erstmal welche sterben lässt, bis es „die restlichen Afrikaner“ auch verstehen und sich nicht mehr auf den Weg machen, das hat mich sehr erschüttert. Zum einen weil die Diskussion eine moralische Erosion aufzeigt, die direkt zu europäischen Menschenlagern in Nordafrika führt und zur Entwertung des Lebens Anderer, die keine Europäer sind. Ob Kind, ob Frau, ob Junge mit Hoffnung im Blick – das spielt keine Rolle.

Die Zugangskategorie für Leben ist durch die Geographie bestimmt. Zum anderen weil es zahlreiche Studien gibt, die nachweisen, dass eine restriktive Migrationspolitik die Menschen, die vor Hunger, Krieg und Hoffnungslosigkeit fliehen, nicht daran hindert sich auf den Weg zu machen. Das diese Studien und Erkenntnisse nicht durchdringen gegen ein dumpfes Gefühl der Abwehr, ist eine schlimme Erfahrung.

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