NDR| Flüchtlingspolitik: Die Wut der Helfer / Wo deutsche Politiker sich schämen müssen!!!


von Fabienne Hurst

Eigentlich hat sich Elvira Bittner immer wohlgefühlt in Deutschland. Die Frau mit dem fränkischen Akzent und der sanften Stimme arbeitet als Gästeführerin in München, zeigt Touristen, wie schön ihr Heimatland ist. Aber in letzter Zeit kommt sie immer mehr ins Zweifeln. „Ich frage mich zurzeit ständig, ob das noch meine Heimat ist“, sagt sie. „Aber ich frage mich das wahrscheinlich aus ganz anderen Gründen, als es jetzt in dieser offiziellen Debatte diskutiert wird.“

Bittner hat das „Wir schaffen das“ der Kanzlerin im Herbst 2015 ernst genommen, den Aufruf auch als Versprechen verstanden, dass Regierung und Bevölkerung an einem Strang ziehen. Sie geht in Flüchtlingsheime und gibt ehrenamtlich Deutsch-Nachhilfe, übersetzt kompliziertes Beamtendeutsch und begleitet Flüchtlinge zu Anhörungen und anderen Behördenterminen. „Ich habe gesehen, dass es ganz wichtig ist, dass da jemand mitgeht“, sagt sie. „Weil die Leute völlig überfordert sind, schon allein von der Sprache her, das ist ja für Deutsche schon schwer genug.“

Doch der Staat, so scheint es, hält seine Versprechen nicht ein. Den Behördendschungel erlebt sie als immer undurchsichtiger, als Flickenteppich von Vorschriften und Verordnungen. Ablehnungen seien oft nicht nachvollziehbar, sagt Bittner, bürokratische Hürden viel zu hoch. Von Angela Merkels ursprünglicher Idee, manche Dinge etwas flexibler zu handhaben, ist nicht mehr viel übrig.

Schon wenige Monate nach der Ankunft der vielen Flüchtlinge an den deutschen Bahnhöfen hieß die Parole: Begrenzen, Rückführen, Härte zeigen. „Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung zur Rückführung derer, die abgelehnt wurden“, verkündet Angela Merkel im Oktober 2016.

„Was für eine Steuerverschwendung“

Elvira Bittner und die anderen Ehrenamtlichen aber arbeiten weiter am Projekt Integration. Was bleibt ihnen anderes übrig? Doch das wird immer schwieriger. Etwa, weil viele Flüchtlinge nicht mehr arbeiten dürfen. „Wir lernen deutsch, schreiben Bewerbungen, haben Kontakte zu Arbeitgebern. Und dann war eigentlich alles umsonst, weil dann plötzlich ein Schreiben des Innenministeriums kommt: Sie dürfen nicht mehr“, sagt Bittner. Und so war der ganze Papierkram, die Behördengänge, das viele Deutschlernen nutzlos. Sogar Flüchtlinge, die eine Ausbildung begonnen haben, sind wieder von Sozialhilfe abhängig.

 

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