Zeit| Walter Lübcke : Wer hat ihn erschossen?Spurensuche im Umfeld des Stephan E.


Stephan E. war Mitglied der NPD, saß wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis und hat eine Asylunterkunft attackiert. Nun steht er im Verdacht, den CDU-Politiker Walter Lübcke ermordet zu haben.

Von Kai BiermannChristian FuchsAstrid GeislerMartin KlingstMariam LauAnton Maegerle Henrik Merker,Daniel MüllerYassin MusharbashGero von Randow,Holger StarkMartin SteinhagenSascha Venohr und Fritz Zimmermann

Alles ganz normal hier. Im Kasseler Stadtteil Forstfeld an der A 7, wo ein paar Tausend Leute ihr ruhiges Leben führen, reiht sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus. Ein Rasenmäher brummt, ein paar Gärten weiter wird die Hecke getrimmt.

Hans-Peter Faber, graue, schulterlange Haare und Zottelbart, stützt sich auf seinen Jägerzaun. Der Mittsechziger, seit 1982 Mitglied der Grünen, trägt ein blaues Fußball-Shirt. „Kick rechts weg“ steht darauf. Reiner Zufall, sagt Faber. Gerade hat sich der Rentner noch einmal eine Zigarette angesteckt. Ein Kameramann hat das vorgeschlagen, sieht authentischer aus.

Faber ist an diesem Montagmittag ein gefragter Mann. Er war Zeuge des Polizeieinsatzes in der Nacht zum Samstag – und das hatte auch mit einer Zigarette zu tun. Nachts um zwei habe er auf der Treppe vor seiner Haustür gesessen und geraucht, sagt er. „Die Hälfte der Zigarette war weg“, und plötzlich kam die Polizei. Zwei Häuser weiter dann „Tumult“: Die Beamten brüllten „hinlegen“.

Dann wurde Fabers Nachbar Stephan E. verhaftet. Er wird verdächtigt, am 2. Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) im Wolfhagener Ortsteil Istha mit einem Kopfschuss ermordet zu haben. Eine DNA-Spur soll ihn verraten haben.

Der grüne Sozialpädagoge aus Forstfeld ist so überrascht wie alle anderen Nachbarn. Aufgefallen sei ihm der Festgenommene zuvor nicht, auch nicht mit politischen Äußerungen. Zurückgezogen habe der Herr E. gelebt, heißt es. Ein Unauffälliger, wie es scheint.

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