DLF|„Hart aber fair“, „Anne Will“ und Co.: „Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD“


Talkshows sein ungeeignet dafür, komplexe politische Prozesse abzubilden, sagte der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im Dlf. Ihr fast tägliches „Ritual der Politiksimulation“ sei ermüdend und ähnele Scripted Reality. Durch ihre Inszenierung und Taktung spielten Talkshows außerdem der AfD in die Hände.

Lutz Hachmeister im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

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„Moderator Frank Plasberg ist in ‚Hart aber fair‘ beispielhaft gescheitert“, schrieb Hans Leyendecker am Dienstag in der „Süddeutschen Zeitung“. In seinem Gastbeitrag lässt der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags kaum ein gutes Haar an der letzten Ausgabe der ARD-Talkshow, in der die Frage “ Wie gefährlich ist rechter Hass?“ diskutiert wurde. Anlass war der Mord am hessischen CDU-Politiker Walter Lübcke, dessen mutmaßlicher Täter Kontakte in die rechtsextreme Szene hatte.

Schon bei der Ankündigung hatten sich Social-Media-Nutzer über einen Gast empört: den AfD-Politiker Uwe Junge, Vorsitzender der Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz.

Nach der Sendung gab es vor allem Kritik an der Gestaltung der Sendung. Beispielsweise äußerte sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer gegenüber der „Bild“. Sie habe den Eindruck, man habe Junges Aussagen nicht entlarvt, sondern ihm eine zusätzliche Bühne geboten habe.

Vieles sei in der Sendung unerwähnt geblieben, monierte auch Leyendecker: „Das Problem scheint zu sein, dass eine Sendung mit fünf Diskutanten keine Sendung mehr mit fünf Gästen ist, sondern sich die Aufmerksamkeit des Moderators auf den einen Gast beschränkt.“ Es bleibe aber die Verpflichtung, alle fünf Gäste im Blick zu haben. 


Sebastian Wellendorf: Herr Hachmeister, die Frage ist offensichtlich nicht, ob die AfD im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftauchen darf, diese Partei ist gewählt worden, sie bildet im Bundestag die größte Opposition – klar, dass sie dann auch in der Berichterstattung auftauchen muss. Dennoch: Was kritisieren Sie an der Sendung von Sonntag im Hinblick darauf, wie der AfD-Politiker Uwe Junge sich dort präsentieren durfte und konnte?

Lutz Hachmeister: Ich kritisiere daran eigentlich nicht besonders viel. Da kann man immer darüber diskutieren, ob der Moderator härter nachfragt oder am Schluss sagt, ich hoffe, sie haben sich hier nicht wie bei einem Tribunal gefühlt. Das ist eigentlich, glaube ich, nicht der Punkt. Ich glaube, es geht um die Vielzahl dieser Formate, es geht um die Politiksimulation in dieser Form von Talkshow, dass man im Grunde simuliert, die Zuschauer würden dadurch mehr über den Politikbetrieb erfahren. Meine Kritik würde sich eher an die Quantität dieser Formate richten.

„Sehr ungeeignet, komplexe politische Prozesse abzubilden“

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