Funke|Der NAZI Kalbitz – Update| Fest mit Nationalsozialisten verbunden – Horst Mahler/HDJ


Hajo Funke, 24.8.

                Der Nazi Kalbitz

  Ein Update – eine Woche vor der Wahl in Brandenburg

Dieser Wahlbrief  über die AfD-Spitze in Brandenburg enthält neue Daten über den Spitzenkandidaten.  Aus dem Spiegel unter anderem erfahren wir, dass er mit den allerradikalsten nationalsozialistischen Gruppen und Personen enger zu tun hatte, als bisher bekannt: Unter anderem mit der Führung der  Heimattreuen deutschen Jugend auch nach ihrem Verbot 2009! Und als Drehbuchautor in Filmen, die Hitler verehren und den Holocaust leugnen! Auf beides gehen wir in diesem update etwas genauer ein, um Ihnen nahe zu legen, die Partei unter diesem Spitzenkandidaten nicht zu wählen. 

Wir wenden uns ausdrücklich auch an die, die in den kommenden Wahlen ihre Stimme der AfD geben wollen. Die überzeugten Nazis werden wir nicht davon abhalten. Aber für die, die aus sehr verständlichem Protest, Wut oder lang aufgestauter Enttäuschung die AfD wählen wollen, wollen wir mit diesem Brief warnen und Ihnen mitteilen: Sie wählen eine Partei mit einer nationalsozialistischen Spitzen-Position und schaffen damit allem, was Ihnen wichtig ist, ein Grab, wenn diese Menschen an die Macht gelangen. Vor allem: Gehen Sie diesmal zur Wahl,  erhöhen Sie die Wahlbeteiligung von unter 50 % aus dem Jahr 2014. 

Verhindern Sie den aufhaltsamen Aufstieg einer faschistisch-nationalsozialistischen Bewegung. 

„Der Machthaber der AfD und sein braunes Netzwerk“ (Spiegel-online. 23.8.19)

Nun erfahren wir, dass Andreas Kalbitz noch stärker in einem braunen Netzwerk verstrickt ist. Der Spiegel berichtet in „Der Machthaber der AfD und sein braunes Netzwerk“, dass er nicht nur mit der nationalsozialistischen Heimattreuen deutschen Jugend  2007 deren Zeltlager besucht hat. 

Im Spiegel (ebd) heißt es: 

„Diese Organisation war nach Hitlerjugend Vorbild aufgebaut und wurde deswegen 2009 vom Bundesinnenministerium verboten. „Ich war als Gast dort, mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen. Ich sehe da kein Problem.“ (Kalbitz) Als Gast, einfach so? Bei einem geheimen Lager einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation, das an einem abgelegenen Ort stattfand? Als erwachsener Besucher in einem Jugendcamp? Und „kein Problem“, obwohl die HDJ auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht? (Spiegel ebenda). Inzwischen wissen wir, dass Kalbitz, der mal nur anschauen wollte, sechs Wochen nach dem Verbot der heimattreuen deutschen Jugend am 12. Mai 2009 eine Mail von dem letzten Bundesführer dieser Organisation, von Sebastian Räbiger erhalten hat. Nur sechs weitere Personen erhielten diese Mail, darunter Führungskräfte der HDJ, eine Frau von der rechtsextremen Gemeinschaft Deutscher Frauen und ein NPD-Mann. Und an eine Adresse, die offenbar mit der deutschen Stimme zu tun hat, der Zeitung der NPD. Räbiger schrieb: „moin, für die, die es interessiert. mittwoch 19-21 Uhr http://www.netzradio-germania.de noch ein paar dinge zur hdj und zum drum herum.“ Er hoffe, dass „nichts wichtiges geschnitten wurde“, schreibt er, „gruß s“. Der Radiobeitrag ist bis heute online. Räbiger erzählt darin, dass alle Mitglieder „aus dem nationalen Lager“ stammten, man nicht an Schulen oder sonst wo geworben habe. Wer dort war, kannte sich. Aber Kalbitz will einfach mal „als Gast“ dort gewesen sein? Kalbitz sagt dazu nur: „Mir ist eine entsprechende Mail von vor zehn Jahren nicht bekannt.“ 

Eine weitere E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, lässt erahnen, wie tief Kalbitz im rechtsextremen Lager verankert war. Am 10. August 2008 verschickte der Neonazi Horst Mahler eine Mail. Er hat die NPD als Anwalt im Verbotsverfahren vertreten und später die „Verkündung der Reichsbürgerbewegung“ veröffentlicht. In der Mail berichtet er von seinem ersten Prozesstag. Mahler stand damals wegen Holocaust-Leugnung vor Gericht, wieder einmal. Bis heute sitzt er unter anderem deswegen in Haft.“

Holocaustleugnung und Hitlerverehrung in Filmen des Drehbuchautors Andreas Kalbitz

Er hat in zwei Filmen Adolf Hitler und den Nationalsozialismus glorifiziert und die Verbrechen der Wehrmacht an Juden geleugnet. Er war wesentlich an „Hitler der unbekannte Soldat“  und an dem  2008 veröffentlichten Film „Von Garmisch in den Kaukasus. Die Geschichte der ersten Gebirgsdivision 1941-1942“ seines Schwiegervaters, des Briten Stuart Russell beteiligt.  Die erste Gebirgsdivision war in den Tagen des 30. Juni 1941 und des 1. Juli 1941 wesentlich für die ungeheuren Massaker an den Lemberger Juden verantwortlich. (Vgl. auch Funke 2019) Da war er weit über dreißig.

Fakt ist jedoch, dass Andreas Kalbitz das Drehbuch dieses Films geschrieben hat und dieser Film ein Lobgesang auf eine Wehrmachtsdivision ist, die nach ihrem Einmarsch in Lemberg am 30. Juni 1941 für die Massaker an Lemberger Juden verantwortlich war.

Die militärische Verantwortung der 1. Gebirgsdivision für die Massaker an tausenden von Juden Lemberg – Kein Wort. Stattdessen die Reinwaschung der ersten Gebirgsdivision: „Kein Zivilist, kein Russe, kein Jude ist unangemessen behandelt worden.“

Denn nachdem die Rote Armee die Stadt widerstandslos geräumt hatte, wurde das 49. Gebirgsarmeekorps und in ihr die erste Gebirgsdivision beauftragt, alle zur Aufrechterhaltung der Sicherheit, Disziplin und Ordnung erforderlichen Maßnahmen im Stadtgebiet Lemberg anzuordnen. Der Oberst Karl Wintergerst aus der ersten Gebirgsdivision wurde mit der Maßgabe zum Kommandanten der Stadt ernannt,  alle Maßnahmen zu treffen, die für die Aufrechterhaltung der militärischen und bürgerlichen Ordnung erforderlich sind.« Zur Erfüllung der Aufgabe wurden ihm zwei Bataillone der 1. Gebirgsdivision und das Lehrregiment Brandenburg zur besonderen Verwendung 800 unterstellt. Diesem sogenannten Bataillon 800 wiederum war das aus ukrainischen Nationalisten rekrutierte Bataillon Nachtigall mit einer Stärke von 400 Mann unterstellt, welches von deutschen Offizieren befehligt wurde. (57 f) Parallel sickerten mit der Einmarsch der ersten Gebirgsdivision die Todesschwadronen der Einsatzgruppe B (ab 11. Juli EG C) in die Stadt ein. Sie folgten dem Befehl Heydrichs vom Vortag, dem 29. Juni 1941 an die Einsatzgruppenchefs: „Den Selbstreinigungsbestrebungen antikommunistischer oder antijüdischer Kreise in den neu zu besetzenden Gebieten ist kein Hindernis zu bereiten. Sie sind im Gegenteil, allerdings spurenlos auszulösen, zu intensivieren wenn erforderlich und in die richtigen Bahnen zu lenken, ohne daß sich diese örtlichen ‚Selbstschutzkreise‘ später auf Anordnungen oder auf gegebene politische Zusicherungen berufen können.“ Radikalnationalistische ukrainische Kreise und die Todesschwadronen der Kommandos der Einsatzgruppe B entfesselten in den folgenden Stunden das bis dahin größte Massaker an vor allem männlichen Juden in den folgenden Tagen innerhalb und außerhalb der Stadt Lemberg. Sie konnten das tun, weil die die Einheiten der ersten Gebirgsdivision und ihr Stadtkommandant nichts unternahm, dass Morden zu unterbinden. Dies erlaubte nach historischen Augenzeugenberichten auch Soldaten der ersten Gebirgsdivision, an dem mörderischen Wüten teilzunehmen. Nach Schätzungen sind in den ersten fünf Tagen, in denen Einheiten der ersten Gebirgsdivision und ihr Stadtkommandant die militärische Verantwortung der Besatzung in Lemberg hatten, etwa 4000 vor allem männliche Juden innerhalb und außerhalb der Stadt ermordet worden.

Tatsache ist, so vielleicht der beste Kenner des Holocaust, Peter Longerich in Politik der Vernichtung, „dass ukrainische nationalistische Kreise aufgrund der Nachrichten von den sowjetischen Gräueln unter den Augen der deutschen Besatzungsmacht begannen, auf blutige Weise „Vergeltung“ an Juden, Russen und Kommunisten zu üben, die sie pauschal für die Untaten der Sowjets verantwortlich machten.“  (Longerich 1998: 337)   

 „Die Erschießungen erstreckten sich über mehrere Tage.“ (Franz-Josef Strauß) 

Andreas Kalbitz hätte nur in den Erinnerungen des Vorsitzenden der Partei blättern sollen, der  er als Jugendlicher kurz angehört hatte:  

Zum Kriegsverbrechen an Juden in und bei Lemberg schrieb der Soldat im Artillerieregiment und spätere CSU-Politiker Franz-Josef Strauß (in: Die Erinnerungen. Berlin 1989:48 ) „(Anfang Juli 1941, HF) – wir liegen noch in der gleichen Stellung, neben uns ein größeres Waldstück – krachen ununterbrochen Feuerstöße aus einer Maschinenpistole. Wir machen uns auf, wollen sehen, was los ist im Wald. Hinter den Bäumen eine Szene des Schreckens: zusammengetrieben Juden, kommunistische Funktionäre, unschuldige Menschen mussten mit dem Spaten eine Grube ausheben, vielleicht 50 m in der Länge und zwei in der Breite. Die gefangenen Standen da zu vielen hunderten, vielleicht auch tausenden – die Erschießungen erstreckten sich über mehrere Tage. Sie mussten sich hin knien vor der Grube, dann ging ein junger SS-Mann, vielleicht 18 Jahre und sternhagelblau, mit der Maschinenpistole von Kopf zu Kopf, drückte ab, die Toten fielen in die Grube. War eine Lage voll, wurde Erde darauf geworfen, das Morden ging weiter.« (Strauß: Die Erinnerungen. Berlin 1989:48, zitiert nach in Sandkühler, S. 118)

Einer der Bedrohten und später in Konzentrationslager Verschleppten war der damals 32-jährige in Lemberg lebende Simon Wiesenthal: zwei Wehrmachtssoldaten und ein ukrainischer Hilfspolizist holten Wiesenthal wenige Tage nach dem Einmarsch früh am Morgen aus dem Haus.(Segev, S.62). „Wir waren in Lemberg 149.000 Juden, laut Lebensmittelkarten für Juden. Lemberg war halb jüdisch. Keine 500 von uns sind am Leben geblieben. Wissen Sie, dass Überleben eine Last sein kann?“ (In: Funke 1989:451) und: „Ich war Zeuge im Lemberg Prozess. Ich habe die Angeklagten, die meisten von ihnen, gefunden. (449/450) (Der Lemberg Prozess bezog sich auf den gesamten Prozess des Holocaust in der Stadt Lemberg, nicht nur auf die ersten Tage)

Die stramme Karriere eines überzeugten Nationalsozialisten. Und Kalbitz steht zu seiner nationalsozialistischen Identität

Er warnte 2001 für den völkischen Witiko-Bund vor einem „Ethnozid am deutschen Volk“  – „Dass ich einmal im ‚Witikobrief‘ vor einem ‚Ethnozid am deutschen Volk‘ geschrieben habe, war eine eventuell etwas unüberlegte Sprachwahl, die sicher meinem Alter geschuldet war.“ – da war er 29 Jahre …

Er war von 2010 bis 2015 im Verein Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit und bis 2015 – da war er schon an die 43 Jahre – Vorsitzender des rechtsextremen, von SSlern gegründeten, von Neonazis und NPDlern bevölkerten, geschichtsrevisionistischen Vereins Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit – also noch in der  Zeit, in der er seit 2014 Mitglied der Landtagsfraktion der AfD im Brandenburger Landtag war. Programmatisch heißt es im Verein: „Es besteht sogar die Gefahr, dass künftige Generationen von Deutschen (…) insbesondere die Zeit vor 1945 mit einer teuflischen Epoche gleichsetzen.“  Er hat den Verein erst verlassen, als seine – aktive – Rolle öffentlich gemacht wurde. Er sei nie wirklich aktiv gewesen – und das als Vorsitzender – „Für mich ist es so, dass ich auch diese Leute, die da teilweise Mitglieder sind, die sind mir näher nicht persönlich bekannt. Es handelt sich um einen relativ inaktiven Verein. Ich hab da keine Tendenzen feststellen können. Wäre das der Fall gewesen, wäre das für mich kein Fall der Aktivität gewesen.“ (Klartext vom 14.10.2015) Ich hab da keine Tendenzen feststellen können. Andreas Kalbitz war fünf lange Jahre Mitglied dieses neonazistischen Vereins, der von einem SS-Obersturmbannführer gegründet worden ist. Kalbitz war ein Jahr lang dessen Vorsitzender – zu einer Zeit, als er Abgeordneter des Landtags war. Er hat in seinem Wahlkampf  2014 zuvor darüber geschwiegen und den Verein erst verlassen, als investigative Journalisten es aufgedeckt haben. Er war da 42 Jahre alt.

„Ich stehe zu meiner Vergangenheit, das ist Teil meiner Biografie, ich kann mich ja nicht von mir selbst distanzieren.“ (Spiegel)

Die verlorene Ehre einer radikalisierten Partei und ihres Spitzenpersonals Weidel, Meuthen und Gauland

Die Partei will nach wie vor eine bürgerliche Rechtsstaatspartei sein. So vertreten es die Meuthens, Weidels und Gaulands. Dies ist nach dem, was nun bekannt ist und am Freitag, dem 23. August vom Spiegel veröffentlicht worden ist, ausgeschlossen. Wenn die, die nach wie vor mitmachen wie die sich mäßig gebenden Meuthen, Weidel und Gauland und es ernst meinen mit ihrer strikten Abgrenzung gegenüber Nationalsozialisten und der NPD, dann müssen sie jetzt, vor der Wahl, die Unterstützung für ihren Spitzenkandidaten in Brandenburg zurückziehen. Und Kalbitz sich selbst zurückziehen.

Wenn Sie noch einen Funken Anstand hätten und einen Rest an Glaubwürdigkeit, könnten Weidel und Meuthen am Montag, den 25. August in Oranienburg nicht mit ihrem Spitzenkandidaten auftreten

Keine Verachtung der Wähler! Aber entschiedene Kritik am Kurs der radikalisierten AfD-Spitzenkandidaten im Osten!     Gegenhalten. Ein Kreuz durch die Rechnung

Aus Gesprächen mit Wählerinnen und Wählern in den letzten Monaten, ob in Oranienburg oder Angermünde, Weida oder Weimar, in Chemnitz oder Dresden ergibt sich, dass nur ein Teil auch der AfD-Anhänger die wahnwitzige Weltanschauung von Björn Höcke, Andreas Kalbitz und Jörg Urban wirklich teilt. Sie haben die Chance, am 1. September der Bewegung ein Kreuz durch die Rechnung zu machen.

Die AfD will diese Gesellschaft zerstören und Gewalt und den „vollständigen Sieg“ (Höcke) über das „System“. Eine faschistische Bewegung eben. 

Wollen Sie wirklich einem Kalbitz vertrauen, der Ihnen ein X für ein U vormacht? Einem, der ständig von den Lügen und der Lügenpresse der anderen spricht und selber systematisch über seine rechte Vergangenheit schweigt, bis ihm das entsprechende Papier vorgehalten wird? Der von dem glücklichen Ende der DDR spricht, eine Wende 2.0 will und tatsächlich selbst in Vereinen und Filmen von der totalitären Diktatur des Nationalsozialismus schwärmt? 

Wollen Sie, die Sie keinen Sinn darin sehen, zur Wahl zu gehen, dadurch dazu beitragen, dass wahnwitzige Neonazis sich in die nächste Potsdamer Regierung drängen? 

Gut eine Woche vor der Wahl liegt die AfD in Umfragen noch bei 22 %, die SPD inzwischen ebenfalls bei 22 % , die CDU bei 18 und die Grünen bei 12-14 %, die Linke bei 15 und die FDP bei knappen 5 %. Die demokratischen Parteien haben die Chance zu einer vernünftigen Koalition untereinander, unter Ausschluss der AfD. Niemand wird mit ihr koalieren. Jede AfD-Stimme ist eine verschenkte. Wenn auch spät ist es so, dass die demokratischen Parteien diesseits der AfD verstanden  haben, was für sie und die Demokratie auf dem Spiel steht. 

Wir bitten Sie, am 1. September 2019 – exakt 80 Jahre nach dem Beginn des zweiten Weltkriegs – wählen zu gehen.

Hajo Funke, Berlin, den 24. August 2019

Anhang/Material

Im Übrigen war er 1991 mit 19 Jahren Mitglied der rechtsextremen Partei die Republikaner, schrieb er in der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit und für die rechtsextreme, beschäftigte er den früheren NPD-Mann Alexander Salomon und beschäftigt als Fraktionschef regelmäßig eine Reihe von rechtsextremen Identitären.

Seit 2018 haben sie jedem, der zuhört, klargemacht, wohin die Reise von Kalbitz, Höcke und Urban geht 

Erst jüngst macht er mit seinem politischen Kompagnon Björn Höcke klar, wenn auch kaum im Wahlkampf, um was es ihm wirklich geht: Im Mai 2018 plädiert er im sogenannten Institut für Staatspolitik des Rechtsextremen und Neofaschisten Götz Kubitschek für einen „nationalen Sozialismus“ – eine kaum verdeckte Verbeugung vor dem Nationalsozialismus. Für Kalbitz ist „die AfD ist die letzte evolutionäre Chance für dieses Land. Danach kommt nur noch ‚Helm auf’“ (Kalbitz auf dem Kyffhäusertreffen 2018). „Wir sind nicht bereit, dabei zuzusehen, wie sich unser Land auflöst“; „durch die Multikultipropaganda der Deutschlandhasser bis hin zu Selbstvernichtung verblendet“ (BfV: 74/75). 

Er ist in der ersten Reihe, als über 1000 AfD-Anhänger zu Aschermittwoch 2018 in einem kleinen Dorf in Sachsen sich in einen entfesselten Mob verwandeln und André Poggenburg die türkische Gemeinde in Deutschland als Kümmelhändler und Kameltreiber angreift und sie auffordert, sich dahin zu scheren, wo sie hingehören und sein Spitzen-Kompagnon aus Sachsen Jörg Urban in dessen Rede den Grünen-Politiker Özdemir erwähnt und der Mob „abschieben, abschieben“ ruft. Kalbitz goutiert das und schreitet nicht ein. Er ist in der ersten Reihe, als am 1. September AfDler mit terroristischen Hooligans und Rechtsextremisten der Gruppe Pro Chemnitz gemeinsame Sache machen und eine irre Gewaltwelle auslösen, in der jüdische, türkische und persische Restaurants angegriffen werden und sich wenige Wochen später die Terrorgruppe Revolution Chemnitz bildet, die glücklicherweise alsbald festgesetzt wird.

Kalbitz geht aufs Ganze. Helm auf

Das Ost-Trio HöckeKalbitzUrban geht aufs Ganze. Die Partei ist die letzte evolutionäre Chance. Danach kommt nur noch Helm auf (Kalbitz). Denn sie wollen den vollständigen Sieg (Höcke) und schießen sich dazu den Weg frei (Maximilian Krah in Sachsen). Das ist die extreme Kurzform, wie sie in faschistischer Manier die Zerschlagung  des „Systems“ propagieren. Es ist die wahnwitzige Weltanschauung von Björn Höcke, Andreas Kalbitz und Jörg Urban. Man sollte diese Aussagen wohl ernst nehmen und nicht beschwichtigen.

Die Mäßigen in der AfD sind angesichts dieser Schussfahrt nach rechts abgetaucht und ducken sich weg: ein müde um Mäßigung bemühter, vergraulter Gauland. Ein in Stirnfalten gelegter, beschwichtigender Meuthen (Höcke ist nicht das Problem) in beschwichtigenden Medien. Eine Slalom wedelnde Weidel: Ich habe mich mit Höcke arrangiert. Die Partei ist gegenwärtig – ausgenommen  wenige Widerstandsnester etwa in Berlin und Hessen – in den Händen ihres rechtsextremen Flügels; ohne ihn, erst recht gegen ihn ist keine Entscheidung der Partei mehr möglich – Und parallel mobilisieren andere anonym in Internetkampagnen gegen Missliebige mit tödlichem Erfolg: Der im Internet gefeierte Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke aus der CDU. Der Mordversuch an dem Eritreer in Wächtersbach. – Ausdruck einer Gewalteskalation von ganz weit rechts, vor der inzwischen alle Sicherheitsbehörden ernsthaft warnen und Konsequenzen zu ziehen versuchen. Was diese Bewegung antreibt, ist die Aufschaukelung in Gewalt und blinde Zerstörung. So wie in faschistischen Zeiten.

Andreas Kalbitz und der SS-Hauptsturmführer  – Führer im gleichen Verein

Denn der heute 46-jährige Münchener Andreas Kalbitz ist seit Jugendjahren bis weit in seine Zeit als AfD-Abgeordneter im Potsdamer Landtag  das Muster eines Überzeugungstäters. Er hat sich in verschiedensten rechtsextremen Gruppierungen, Vereinen und Parteien getummelt.. Vom Witiko-Bund über die später verbotene HDJ, die Partei die Republikaner bis zu der langjährigen aktiven Mitgliedschaft in dem von einem Obersturmbannführer gegründeten Verein Kultur und Zeitgeschichte

Kalbitz schweigt und lügt,  und wenn was rauskommt: War alles Jugendsünde 

Er hat seine jahrzehntelange beinharte neonazistische Überzeugung jeweils erst auf Konfrontation kluger Journalisten eingestehen müssen. Nichts Klärendes kam von ihm. Er hat jeweils über seine angeblichen Sünden in der Jugend – da war er schon 25, 30 und 35 Jahre alt – mit dem Ausdruck eines Verwunderten den Kopf geschüttelt und mit dem Blick eines treuen Schwiegersohns um Verständnis gebeten, aber nie seine Überzeugungen substantiell und glaubwürdig kritisiert: Er taktiert und ist damit – bisher – in seiner Partei und in den leitenden Medien durchgekommen. Ein Versagen leitender Medien in der Republik. War alles Jugendsünde. Er sagt heute: „Die AfD ist die letzte evolutionäre Chance für dieses Land. Danach kommt nur noch ‚Helm auf’“ (Kalbitz auf dem Kyffhäusertreffen 2018). Er ist seinen Überzeugungen treu – und gilt als möglicher nächster Chef der AfD.

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