Funke|Treten SIE endlich zurück, Herr KALBITZ (AfD)! Was kommt denn noch alles?


  Der Rückzug des AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz

ist überfällig. Nach den Informationen von tagesschau.de vom 26. August hat Kalbitz über seine tiefe Verstrickung in den deutschen Neo- Nationalsozialismus vor aller Öffentlichkeit die Unwahrheit gesagt:

Kalbitz´s neue Lüge

Erst im Jahr 2018 wurde er gezwungen, anzuerkennen, dass er 2007 das Sommerlager der wenig später verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) besucht hatte. Er hat es bagatellisiert und als Einzelfall dargestellt: „Ich war als Gast dort, mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen. Ich sehe da kein Problem.“ Dem Tagesspiegel vom 20. August 2019 erklärte er, „dass weder er noch seine Kinder auf weiteren HDL-Lagern waren“.

Nun stellt sich heraus: Der Kontakt mit der HDJ war weit enger. Im Mai 2009 erhielt Kalbitz von einem Herrn Räbiger, der der letzte Bundesführer der HDJ, vor dem Verbot des Vereins durch den Innenminister Wolfgang Schäuble, war, eine E-Mail. 

Doch jetzt kommt heraus: Schon im Jahr 1993 – da war Kalbitz bereits 20 – nahm er bereits an einem Sommerlager des Vereins „Heimattreue Jugend e.V.“, also des Vereins, der später in HDJ umbenannt wurde, teil. Nach tagesschau.de erklärte ein ehemaliger Rechtsextremist, der ebenfalls an diesem Sommerlager teilgenommen hatte (Dietmar Claus), dass Kalbitz ihm als „Scharfmacher“ aufgefallen sei. Dazu muss man wissen, dass die Heimattreue Deutsche Jugend eine Wiedergängerin der Hitlerjugend war und deswegen verboten wurde.

Die abgründige Bilderbuchkarriere eines Scharfmachers und Nazi- Zur Erinnerung

Kalbitz´ Mischung aus Leugnung und abgründiger Bagatellisierung, wenn’s rauskommt stellt eine komplette Verzerrung einer rechtsextremen Geschichte dar, die in die Gegenwart reicht. Kalbitz war seit seinem 20. Lebensjahr in nahezu allen den Nationalsozialismus verherrlichenden Organisationen aktiv – bis die Öffentlichkeit 2015 ihn zwang, dass nach außen hin aufzugeben. Da war er aber längst der politische Ziehsohn von Alexander Gauland und Mitglied im Potsdamer Landtag.

In diesen mehr als 25 Jahren war er:

  • in München bei der Pennalen Burschenschaft Saxonia-Czernowitz, einer schlagenden Schülerverbindung,
  • ab 1993 mindestens ein Jahr lang Mitglied der rechtsextremen Republikaner,
  • im selben Jahr Mitglied des rechtsextremen Witiko-Bundes, für die er im Witiko-Brief Texte schrieb. Er lobte darin das Freundschaft und Hilfswerk Ost. Im Witikobrief warnte er 2001 vor einem „Ethnozid am deutschen Volk“.
  • 2003 schreibt er für die Zeitschrift Fritz, der rechtsextremen Jungen Landsmannschaft Ostpreußen. 

Gemeinsam mit seinem Schwiegervater Stuart Russel arbeitete er an zwei den Nationalsozialismus und Hitler verherrlichenden Filmen.

  • Der erste „Der unbekannte Soldat“ (2004) lobt Hitler im Ersten Weltkrieg, eine einzige Eloge über den fantastischen Kämpfer Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg. (Drehbuch Alexander Kalbitz und Stuart Russel; Kamera: Andreas Kalbitz).
  • Im Film „Die erste Gebirgsdivision“ (2008) präsentiert er diese von Hitler gelobte „Gardedivision“ als schlagkräftige Truppe und leugnet ihre Beteiligung an einer der ersten großen Vernichtungsaktionen an den europäischen Juden im Holocaust: Der Ermordung von 4000 vor allem männlicher Juden in Lemberg nach dem Einmarsch der ersten Gebirgsdivision am 30. Juni 1941 (Drehbuch: Andreas Kalbitz)

2007 war Kalbitz mit Neonazis, unter anderem mit dem NPD-Chef Udo Voigt und zwei rechtsextremen Kroatien-Söldnern in Athen und nahm am 27. Januar an einem Marsch der griechischen Patriotischen Allianz, einer Organisation um die gewalttätige neonazistische Partei Goldene Morgenröte, teil. (Spiegel 36/2019)

Quelle: Apabiz

Im Mai 2009 bekam Kalbitz eine Mail von Sebastian Räbiger, dem letzten Bundesführer der HDJ, kurz nachdem diese verboten wurde; nur sechs weitere Personen erhielten diese Mail, darunter Führungskräfte der HDJ, eine Frau von der rechtsextremen Gemeinschaft Deutscher Frauen und ein NPD Mann (Spiegel 35/24). „Grund für das Verbot war die im Verein betriebene „Heranbildung einer neonazistischen ‚Elite’“ und die „ideologische(…) Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche durch Verbreitung völkischer, rassistischer, nationalistischer und nationalsozialistischer Ansichten im Rahmen vorgeblich unpolitischer Freizeitangebote“. (Wikipedia, zu HDJ, 30.8.2019)

Von 2010-2015 (bis er aufflog) war er im Verein Kultur und Zeitgeschichte. Archiv der Zeit, eines neonazistischen Vereins, der von dem Holocaustleugner und SS-Hauptsturmführer Waldemar Schütz mit gegründet worden war; Uwe Backes und Eckhard Jesse stellten den Archiv-der-Zeit Schriften eine Verherrlichung der Wehrmacht fest. Im Verein heißt es: „Es besteht sogar die Gefahr, dass künftige Generationen von Deutschen (…) insbesondere die Zeit von 1945 mit einer teuflischen Epoche gleichsetzen.« 

„Eine Messereinwanderung ist eine Messereinwanderung“ (Kalbitz)

Seine „Kernkompetenz ist Volksverhetzung“ (nach Jan Böhmermann)

„Die AfD ist eine demokratische Partei und distanziert sich damit klar – wie ich auch – von Rechtsextremismus“ (Kalbitz)

Heute

Heute erklärt Kalbitz laut Verfassungsschutz: „Wir sind nicht bereit, dabei zuzusehen, wie sich unser Land auflöst.“ Im Mai 2018 plädiert er im sogenannten Institut für Staatspolitik für einen nationalen Sozialismus. Und droht, die AfD sei die letzte evolutionäre Chance für unser Land. Danach kommt nur noch Helm auf

Kalbitz ist in der ersten Reihe, wenn wie zu Aschermittwoch 2018 Türken als Kümmelhändler und Kameltreiber verunglimpft werden. 

Er ist in der ersten Reihe, wenn am 1. September 2018 die AfD mit Rechtsextremisten und Hooligans in Chemnitz gemeinsame Sache machen. – Eine „Bilderbuchkarriere“ eines Hitler-Verherrlichers und Neonazis. 

Bildergebnis für chemnitz 2018 afd
Chemnitz 2018 – Hand in Hand mit Extremisten

Und in Brandenburg führt er die Partei im Stil eines Kommandoführers. Wenn ihm in Wahlkampfdiskussionen Schülerinnen nicht so kommen, wie er will, macht er sie – bis zu dieser Sekunde freundlich-ironisch – außer jeder Kontrolle wütend nieder und beleidigt sie. Und die Klimaaktivistin Greta Thunberg, die er in vernichtender Aggressivität ein verzopftes Mondgesicht nennt.

Das dröhnende Schweigen der Parteiführung

Dies alles ist der AfD-Führung bekannt. Aber der politische Ziehvater, der Vorgänger im Brandenburger Parteiamt, Alexander Gauland schweigt. Sein Kovorsitzender Meuthen schweigt und stellt in seinem Wahlkampfauftritt am vergangenen Montag in Oranienburg als geschlossene Partei vor und lobend Kalbitz als „harten Hund“.


Kalbitz´s Rücktritt

Die Parteiführung hätte diesen „harten Hund“ längst zum Rücktritt zwingen müssen und gegen ihn wegen seiner Lügen und seiner vorenthaltenen neonazistischen Aktivitäten ein Parteiausschlussverfahren anstrengen müssen. Kalbitz gehört zu einer Partei, die vorgibt, eine demokratische Rechtsstaatspartei zu sein. Stattdessen dominieren Höcke und Kalbitz und mit ihnen der Flügel diese Partei.

Die Wählerinnen und Wähler sollten ihm an diesem Sonntag ein Kreuz durch seine Rechnung machen.

H. Funke, 30. 8.2019

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