Iran

Präsidentschaftswahlen im Iran: Beteiligung oder Boykott?

Ehsan Mehrabi und Farin Fakhari

Nach der Revolution von 1979 war für die Oppositionellen in der Islamischen Republik Iran eine entscheidende Frage: Was ist sinnvoll – Beteiligung oder ein Boykott der Wahlen? Heute ist ein erheblicher Teil der Oppositionellen, insbesondere des säkular geprägten Teils, aus den politischen Institutionen ausgeschlossen und  kann nur in der Illegalität oder im Exil aktiv sein. Der Begriff der „Opposition“ ist im iranischen Kontext ein wenig missverständlich. Es ist nicht immer klar, ob damit nur jene Kräfte gemeint sind, die aus der aktiven Beteiligung im politischen System ausgeschlossen sind, wie Monarchisten, die säkulare Linke, republikanische und religiöse Nationalisten oder etwa die Volksmudschahedin.

Wahlwerbung des Präsidentschaftskandidaten Dr. Mohsen Rezai - „Wir wollen wieder Moral in der Politik, Erfolge in der Wirtschaft und Frieden in den Familien“

Wahlwerbung des Präsidentschaftskandidaten Dr. Mohsen Rezai – „Wir wollen wieder Moral in der Politik, Erfolge in der Wirtschaft und Frieden in den Familien“
Volksnahe Organisation der Veteranen, CC-BY-SA 2.0

Die aus dem politischen Establishment der Islamischen Republik kommenden und in den vergangenen Jahren immer mehr aus der Politik gedrängten Reformisten, wurden teilweise auch verfolgt oder ins Exil getriebenen. Sie können ebenfalls zu „Opposition“ gerechnet werden. Bei der Frage der Wahlbeteiligung geht es bei Teilen der Opposition deshalb um die Entscheidung, welche Kandidaten man aus strategischen Gründen unterstützen sollte und welche nicht.

Dies hängt unmittelbar mit den Erfahrungen in den letzten fünfzehn Jahren zusammen. Die Präsidentschaftswahlen von 1997, die zur Präsidentschaft von Seyed Mohammad Khatami führten, wie die umstrittenen Wahlen von 2009, boten aus strategischer Perspektive den Oppositionskräften im Ausland mehr Anreiz, an den Wahlen teilzunehmen. Zum Beispiel unterstützten Teile der Exilopposition Kandidaten der Reformisten, wie den Kandidaten Mehdi Karroubi, insbesondere wegen seiner Position zu Menschenrechtsfragen.

Die enttäuschende Erfahrung mit dem ehemaligen Präsidenten Khatami, der seine Reformen nicht durchsetzen konnte, führte aber bei vielen auch dazu, dass acht Jahre nach den Wahlen die Mehrheit der Opposition im Ausland zum Boykott der Wahlen aufrief, Mahmud Ahmadinedschad 2005 dann aber als Präsident folgte. Während der Präsidentschaft von Ahmadinedschad verlor das Land international an Ansehen und die wirtschaftliche, soziale und menschenrechtliche Lage verschlechterte sich drastisch. Deshalb riefen viele Oppositionelle dazu auf, doch wieder an den Wahlen teilzunehmen.

Eine Opposition zwischen Wahlbeteiligung und -boykott

Nach den Ereignissen der Präsidentschaftswahlen von 2009 waren die Oppositionellen des Landes mit dem Problem konfrontiert, dass der Glaube vorherrschte, die Führung um den religiösen Führer Khamenei habe die Wahlen gefälscht und die Stimmen für Mussawi und Karroubi einfach Ahmadinadschad gegeben. Warum sollte man aber zu Wahlen aufrufen, solange es keine Garantie gibt, dass es nicht wieder zu Wahlfälschungen kommt und die Opposition zur Wahl bestimmter „strategischer Kandidaten“ aufruft?

Auf der einen Seite argumentieren Gegner einer Wahlbeteiligung seit jeher damit, dass die Beteiligung an diesen Wahlen und insbesondere eine hohe Wahlbeteiligung dem politischen System der Republik Legitimität verleihe. Umgekehrt führen die Befürworter einer Beteiligung, die Präsidentschaftswahlen von 2009 und deren Konsequenzen als Gegenargument an. Gerade weil bei einer Wahlbeteiligung von 40 Millionen Stimmberechtigten eben dieser Kandidat nicht gewählt wurde, kam es in Folge zu massiven Protesten und zu einem gleich doppelten Legitimationsverlust der islamischen Republik. Die Führung musste zum einen recht offensichtlich die Wahlen fälschen und war zum anderen mit den größten Protesten seit dem Bestehen der Republik konfrontiert. Diese waren nur mit massiver Gewalt zu unterdrücken.

Schon seit Wochen debattieren Iraner auf ihren Facebook-Seiten lebhaft über die in drei Tagen bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Eine Sensation der diesjährigen Präsidentschaftswahl ist zweifellos die Disqualifizierung der Kandidatur Rafsandschanis durch den Wächterrat. Rafsandschani gehörte als einer der mächtigsten Männer im Iran lange zum innersten Zirkel der iranischen Machthaber. Er hatte nach der Wahl von 2009 die Kandidaten der Reformer Mussawi und Karroubi unterstützt und galt nach deren Ausschaltung als einer der großen Verlierer dieser Auseinandersetzung. Nun haben seine Unterstützer zur Wahl von Hassan Rouhani aufgerufen. Zwischenzeitlich hieß es sogar, dass der Wächterrat auch Rouhani disqualifizieren würde. Schnell wurde diese Meldung aber vom Wächterrat dementiert.

Lebhafte Diskussion unter Exiliraner/innen

Wäre Rafsanjani zu den Wahlen zugelassen worden, hätten weniger Kräfte innerhalb der Oppositionsbewegung zum Boykott der Wahlen aufgerufen. Noch vor Rafsanjanis Disqualifizierung hat der im französischen Exil lebende iranische Journalist Morteza Kazemian bei einer Veranstaltung der „United republicans of Iran“ in Berlin gesagt: „(Ali Akbar) Hashemi (Rafsandschani) hat einen bedeutenden Unterstützer, Khatami. Und fast alle Reformer werden diese Kandidatur Hashemis unterstützen.“ Während derselben Versammlung sagte der iranische Exilpolitiker, Mehran Barati, der Führer der islamischen Republik, Ayatollah Khamenei, werde nicht mit der Weltgemeinschaft verhandeln. Eher werde er einen Krieg in Kauf nehmen. „Khamenei glaubt, der Iran wird wie in dem Krieg zwischen den USA und Vietnam am Ende als Sieger hervorgehen“, behauptet Barati. Die Beteiligung an den Wahlen ist für die Opposition ein Bestandteil der weichen politischen Veränderungen, das heisst ohne Gewalt. Wenn aber diese Chance nicht besteht, dann gibt es auch keinen Grund an den Wahlen teilzunehmen.

Die Disqualifizierung Rafsandschanis hat aber dazu geführt, dass viele iranische Exilgruppen zum Wahlboykott aufrufen. Das „Komitee der Koordination des Grünen Weges“, wie sich die Unterstützer von Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karroubi im Ausland nennen,  haben eine Erklärung abgegeben, in der es heisst: „ Die bevorstehenden Wahlen beinhalten nicht einmal ein Minimum an allgemein anerkannten Standards für freie Wahlen.“

Auch die Auslandsgruppe  der „Mudschahedin enghelab eslami“, die den reformistischen Kräften nahestehen, haben zu einem Boykott der Wahlen aufgerufen und dazu erklärt: „Die Disqualifizierung von Hashemi Rafsandschani mit Unterstützung der Führung hat gezeigt: Solange das Machtgefälle zwischen den existierenden Kräften sich nicht ändert, wird es nicht möglich sein, dass ein überparteiischer Präsident jemals gewählt wird.“

Die Organisation der Republikaner/innen, dessen Mitglied Mehran Barati ist, betont in einem Aufruf, dass die Stimme der Bürger bei diesen Wahlen ohnehin ineffizient sein werde. Sie fordern von Khatami und Rafsandschani, diesem „Wahlphantom“ nicht in die Falle zu laufen und ihr Kapital, dass sie durch ihren Widerstand gegen Khamenei bekommen haben, nicht aufs Spiel zu setzen.

Reza Alijani ist ein im französischen Exil lebender politscher Aktivist in einer Gruppe der Reformisten, die für einen Wandel im Iran steht und die den Ideen von Dr. Mosadegh und Mehdi Bazargan, den früheren iranischen Ministerpräsidenten folgen. Alijani äusserte sich  in der bereist erwähnten Veranstaltung am 6. Mai in Berlin über die Kandidaten so: „Saeed Dschalali, ist der Kandidat für die öffentlichen atomaren Verhandlungen. Ali Akbar Welayati ist der Berater der Führung in den atomaren Fragen und zuständig für die geheimen Verhandlungen und Mohamad Bagher Ghalibaf, der jetzige Bürgermeister von Teheran, ist im Planungsstab des Atomprogramms. In dem inneren Kreis von Ayatollah Khamenei gibt es zwar ungelöste Probleme, aber die Wahl jedes einzelnen dieser drei Kandidaten bedeutet, dass in Wahrheit Herr Khamenei selbst der wahre Präsident ist.“

Pro und Contra auch unter Journalist/innen

Der frühere iranische politische Aktivist, Saeed Habibi, meinte: „Die wirtschaftliche Lage ist sehr bedeutend für die Wahlen. Hierzu sollte  man die konkurrierenden wirtschaftlichen Kräfte analysieren. Zurzeit haben die Revolutionsgarden  die Wirtschaft des Landes in der Hand. Sie konkurrieren mit den Gruppen der Basarhändler um die wirtschaftliche Vorherrschaft im Lande.“
Ein Architektur-Student, äußerte in Richtung der älteren Iraner, dass es für seine Familie, die im Iran lebt, immer schwieriger wird, ihm Devisen zu schicken und man die Dinge sicherlich anders sehen würde, wenn man hier mit dem Euro leben würde. Da sind dann die Probleme mit den Sanktionen und den Schwierigkeiten mit der Medikamentenversorgung ganz weit weg.

Einen heftigen Disput gibt es ohnehin zwischen Exiliraner/innen und den im Lande lebenden Menschen, die sich eine Einmischung, auch von ihren eigenen Landsleuten aus dem Ausland nicht wirklich wünschen. Auch die Kluft zwischen den „frischen“ Neuankömmlingen und den seit Jahrzehnten im Ausland lebenden Iranern ist in diesen Dingen groß, fühlen sich die „jungen“ Flüchtlinge noch ganz mit der Heimat verbunden, anders, aber letztlich wie der Älteren.

Die Seite der Befürworter/innen

Für die Auslandsiraner/innen sind die atomaren Gespräche der Knackpunkt. Für sie entscheidet sich an dieser Frage ihre persönliche Entscheidung für oder gegen die Wahlbeteiligung. Hier steht Said Dschalili, Chefunterhändler in den Atomverhandlungen, für einen Weg in den Krieg, den sie mit allen Mitteln verhindern wollen.

Die Teilnahme an den Wahlen hat unter den iranischen Exil-Intellektuellen und -Journalisten/innen auch Befürworter/innen. Eine von ihnen ist die iranische Journalistin Malihe Mohamadi. Sie sagte über eine Teilnahme an den Wahlen: „Wenn man seine Stimme Rouhani oder Aref gäbe, wäre dies für die iranische Zivilgesellschaft eine „Win-Win“-Situation. Denn entweder werde es eine zweite Runde geben oder die Führung werde wie bei den Wahlen von 2009 gezwungen, die Wahlen zu fälschen und die Ergebnisse werden nicht glaubwürdig sein.“

Mohammadi weiter: „Eine Präsidentschaftswahl ist weder eine Heldentat, noch eine Katastrophe. Jedenfalls ist sie nicht das Ende der Zeitrechnung.“  Sie meint, man solle es dem Regime durch Teilnahme an den Wahlen schwer machen, denn die Boykottierer böten mit ihrem Ansatz keine Alternative.

Der bekannte iranische Journalist Masoud Behnood ist ein weiterer Unterstützer der Wahlbeteiligung. Er schreibt: „Die letzten acht Jahre waren die dunkelsten Kapitel in der Geschichte für Künstler, Journalisten und Verleger. Damit sich das nicht wiederholt, werde ich Rouhani oder Aref wählen, um (…) Dschalili zu verhindern.“

„Die Entscheidungen, die diese Verantwortlichen treffen, beeinflussen das Leben von Millionen von Menschen. Ich bin nicht überzeugt, dass meine Wahlbeteiligung oder ein Wahlboykott die Legitimationen des Regimes erhöhen oder senken wird. Die Präsidentschaftswahlen und die Kommunalwahlen finden zur gleichen Zeit statt. Das führt dazu, dass sogar Menschen, die für gewöhnlich nicht an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen, aufgrund dieser Gleichzeitigkeit auch dann den Präsidenten wählen.“

Die Gegner der iranischen Regierung, sofern sie wählen gehen, wollten ihre Stimme Hassan Rouhani oder Mohammad-Reza Aref geben. Inzwischen  hat Mohammad-Reza Aref – er war erster Vizepräsident des Iran unter Präsident Mohammad Khatami – seine zugunsten von Hassan Rouhani zurückgezogen. Rouhani steht Ali Akbar Hashemi Rafsandschani nahe und war zugleich der verantwortliche Wortführer des Teams von Khatami  in den atomaren Verhandlungen.
Nun, da Hassan Rouhani der einzige „Reform“-Kandidat ist, steigen die Hoffnungen derer ein wenig, die mit ihrer Wahlbeteiligung etwas Poitives ausrichten wollen.

…..

Ehsan Mehrabi lebt seit drei Monaten in Berlin. Im Iran war er mehr als 15 Jahre Parlamentskorrespondent. Viele der Genannten kennt er persönlich.
Farin Fakhari lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Sie arbeitet für die Flüchtlingshilfe Iran e.V.

Die iranische Rechtsextremisten-Connection

Ersterschienen im Vierteljahresheft Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums (Frankfurt am Main). 2. Quartal 2006, Heft 178.

Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad hat seit seinem Amtsantritt im August 2005 in Verbalattacken wiederholt den Holocaust bezweifelt und Israel als “Krebsgeschwür” bezeichnet. Ahmadinedschad und führende Repräsentanten des Gottesstaates haben mehrfach angekündigt eine so genannte “Holocaust-Untersuchung” abhalten zu wollen. “Es ist das erste Mal in der Geschichte der Holocaust-Weltpolitik, daß eine ganze Regierung den jüdischen Holocaust einer freien wissenschaftlichen Prüfung, unterzieht” – jubilierte die in rechtsextremen Kreisen einflussreiche antisemitische Hetzpostille Phoenix(1) Als “Holocaust-Experten” sind die Namen von einschlägigen Holocaustleugnern im Gespräch. Irans Außenminister Manuchehr Mottaki bezeichnete im Februar 2006 das Urteil gegen den britischen Holocaustleugner David Irving (Jg. 1938) als “westliches Paradox”. Der Westen fordere Meinungsfreiheit, praktiziere aber das Gegenteil. “Wir verstehen nicht, warum der Westen so verzweifelt darauf besteht, dieses Verbrechen begangen und genau sechs Millionen getötet zu haben”, sagte Mottaki. (2) Irving war zuvor vom Wiener Straflandesgericht zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verurteilt worden.

Weithin unbekannt ist die Tatsache, dass Rechtsextremisten seit dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 enge Kontakte zum Iran pflegen. Gemeinsam sind den religiösen Fundamentalisten im Iran und den Rechtsextremisten unterschiedlichster Couleur Feindbilder wie Antiliberalismus, Antiamerikanismus, Antisemitismus und Antizionismus. Islamisten und Rechtsextremisten pflegen ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, propagieren die Ideologie der Ungleichheit und lehnen die universalistische Geltung der Menschenrechte und Menschenwürde ab.

Hardcore-Neonazi im Iran

Eigenbekunden zufolge hält sich im Iran der seit März 2005 flüchtige bayerische Hardcore-Neonazi und fanatische Hitler-Verehrer Gerd Ittner (Jg. 1958) auf. Der selbst wegen seiner extremistischen Ansichten aus der NPD ausgeschlossene Ittner wurde im April 2005 in Abwesenheit vom Landgericht Nürnberg-Fürth u. a. wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ittner tauchte zuvor kurz vor dem 18. Verhandlungstag unter und verschwand spurlos. Zum Jahresbeginn 2006 meldete sich Ittner erstmals wieder szenewirksam zu Wort. Ittner, selbst ernannter “Staatsbürger und Sachwalter des Deutschen Reiches” sowie Anhänger des einstigen Rechtsterroristen und späteren NPD-Bundestagskandidaten Manfred Roeder, verbreitete im Februar 2006 über befreundete politische Kreise eine Erklärung im Internet. Den “Kameradinnen, Kameraden und Reichsbürgern” gab er kund, dass er “im politischen Exil im Iran” sei. Dort werde er, so eine interne Mail des “Nationalen Widerstandes Nürnberg”, bis zu seiner “Rückkehr ins Reich den Kampf mit unserer Unterstützung weiterführen”. Das im “Hartung” (= Januar) von Ittner verfasste mehrseitige Schreiben ist extrem antisemitisch und gewaltverherrlichend. Mitarbeitern von bundesdeutschen Behörden und Institutionen (“Zions bundesdeutsche Bundesknechte”) droht der überzeugte Nationalsozialist mit “BRD-Regime-Verbrecher-Prozessen zu Nürnberg”: “Die BRD ist vom Deutschen Volk abzuwickeln. Ihre Schergen und Erfüllungsgehilfen sind vor das Reichsgericht zu bringen und unnachsichtig abzuurteilen wegen Landes- und Hochverrates”. Lobpreisungen hält Ittner für die iranische Staatsführung bereit, “die übrigens im kleinen Finger mehr Verstand und Format hat als das ganze Lumpenpack des BRD-Regimes in seinen Gipsköpfen”. Den “iranischen Gastgebern” seines “politischen Exils” bescheinigt Ittner, dass diese “sehr” auf seine “Sicherheit bedacht” seien:“Dies ist vor allem bei der gegenwärtigen Situation um den Iran, da USrael und Alljuda zum Krieg hetzen, und wegen der bevorstehenden Holocaustkonferenz keine übertriebene Vorsicht. Ihr wisst selber um die Organisation und Skrupellosigkeit des Weltjudentums und seiner Vasallen.” (3)

Ittner ist nicht der erste Holocaustleugner, der Zuflucht im Iran sucht. Der Schweizer “Revisionist” Jürgen Graf (Jg. 1951), der 1998 wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm zu 15 Monaten Haftstrafe verurteilt wurde und sich der Gefängnisstrafe entzog, hielt sich während seiner Flucht zeitweilig in Teheran auf. Graf, der zwischenzeitlich in Moskau lebt, leitet die Fremdsprachenredaktion der holocaustleugnenden Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung (VffG), die von England aus verschickt werden.

Der mehrfach wegen Volksverhetzung zu Haft- bzw. Geldstrafen verurteilte Manfred Roeder (Jg. 1929) war Eigenangaben zufolge bei den offiziellen Staatsfeierlichkeiten nach der Machtübernahme des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini 1979 in der iranischen Hauptstadt dabei. In der antisemitischen Hetzpostille Die Bauernschaft, herausgegeben von Thies Christophersen, vormals SS-Sonderoffizier in Auschwitz, berichtete er per Leserbrief aus Teheran: “Mit unserem Besuch wollen wir unsere Solidarität bekunden mit dem iranischen Kampf gegen alle Großmächte … Wir haben deshalb das Ziel, eine ähnliche Revolution in Deutschland durchzuführen und alle vom Ausland abhängigen Politiker zum Teufel zu jagen, genau so wie der Schah!” (4)

Jan Udo Holey (Jg. 1967; alias “Jan van Helsing”) war ab der Mitte der 1990er Jahre der im deutschsprachigen Raum bekannteste Autor, dessen esoterisches Weltbild von rechtsextremer Ideologie, primitivstem Antisemitismus sowie wüstesten Verschwörungsszenarien geprägt war. Helsing schlug die Brücke zwischen den Esoterik-Zirkeln, der extremen Rechten und dem für das Irrationale anfälligen allgemeinen Lesepublikum. Nach der Beschlagnahme seiner antisemitischen BücherGeheimgesellschaften I + II im März 1996 wurde er von der iranischen Botschaft nach Bonn eingeladen. Vier Stunden, so Holey, habe er sich dort mit einem führenden iranischen Diplomaten unterhalten. (5)

Am 1. Mai 2000 bat der österreichische Holocaustleugner Wolfgang Fröhlich, vormals FPÖ-Bezirksrat, den Botschafter der Islamischen Republik Iran in Wien um politisches Asyl. Angaben der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP) zufolge, der größten rechtsextremen kulturpolitischen Vereinigung in der Bundesrepublik, wurde das Asyl gewährt. (6) Am 21. Juni 2003 wurde Fröhlich in der Wiener Innenstadt verhaftet und im Februar 2006 wegen NS-Wiederbetätigung zu einer eineinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Enge Kontakte pflegte Fröhlich zu dem Nürnberger Neonazi Ittner.

I.R.I.B.: Sprachrohr der Internationale der Holocaustleugner

Als ein Sprachrohr der Internationale der Holocaustleugner gilt der staatliche iranische Rundfunksender I.R.I.B. (Islamic Republic of Iran Broadcasting). I.R.I.B. betreibt auch ein deutschsprachiges Auslandsprogramm, bekannt als Radio Iran. Dieses ist in hiesigen rechtsextremen Kreisen sehr beliebt, da auch Antisemiten und Holocaustleugner gern gefragte Interviewpartner sind. Kontaktierbar ist Radio Iran (I.R.I.B.) nicht nur per Postfachadresse in Teheran oder per Internet – eine Dependance unterhalten die Islamisten im Zimmer 1305 im Bundespressehaus in Berlin.

Am 7. Februar 2006 führte Radio Iran ein Interview mit dem 1962 zum Islam konvertierten Schweizer “Revisionisten” und Antisemiten Ahmed Huber (Jg. 1927). Huber, der beste Verbindungen sowohl zur Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) als auch zurMuslimbruderschaft unterhält, propagiert die Zusammenarbeit von Islamisten und Rechtsextremisten, da sich beide in ihrer Ablehnung des “Weltjudentums” und der “Amerikanisierung” gleichen würden. (7) Im Frühjahr 2001 wollte Huber zusammen mit dem notorischen Antisemiten Horst Mahler an einem Kongress von Holocaustleugnern teilnehmen, der in einem Viertel der libanesischen Hauptstadt Beirut stattfinden sollte, der von der Hisbollah kontrolliert wird. Die libanesische Regierung verbot das Treffen. Den so genannten Karikaturenstreit bezeichnete Huber im Gespräch mit Radio Islam als “Zeichen eines Krieges gegen den Islam und die Muslime”. Dieser führe zu einer “schweren Niederlage für die angloamerikanisch-zionistische Propaganda gegen den Islam und die Muslime”. Den “schiitischen Iran unter den sunnitischen Muslimen” lobpreiste Huber “als Bannerträger, als einziges unabhängiges freies Land unter der muslimischen Welt”. Gegenüber Radio Teheranbeklagte sich Huber über die angeblich im Westen nicht existente Pressefreiheit; diese sei “ein riesiger Schwindel, denn wenn ich als freier Schweizer in der Schweiz beispielsweise einen Artikel schreibe oder in der Öffentlichkeit erkläre, dass die Nazis nicht 6 Millionen Juden ermordet haben, sondern 3 oder 4 Millionen, dann gibt es gegen mich einen Prozess und ich komme ins Gefängnis. Bis zu 3 Jahren Gefängnis drohen mir. Man darf über den Zionismus und den Staat Israel und über den Zweiten Weltkrieg nicht mehr frei seine Meinung äußern. […] Also die Pressefreiheit existiert nur sehr relativ.” (8)

In der Hörerpostsendung von Radio Iran wurde am 26. und am 27. März 2006 eine Leserzuschrift des deutschsprachigen finnischen Rechtsextremisten Toivo Kettukangas verlesen, die zuvor bereits per Mail in bundesdeutschen rechtsextremen Kreisen verbreitet wurde. Kettukangas bekennt sich darin als Sympathisant des von ihm “sehr verehrten Dr. Joseph Goebbels” und wärmt die Mär einer “jüdischen Kriegserklärung” an das Deutsche Reich auf. Bewunderung zeigt der Eigenbekunden zufolge studierte Historiker und Germanist Kettukangas für den Neonazi und Hitler-Verehrer Ernst Zündel (Jg. 1939). Gegen Zündel, der sich seit dem 1. März 2005 in Untersuchungshaft befindet, ist vor der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Mannheim ein Strafverfahren anhängig. Zündel wird vorgeworfen, seit Oktober 2000 von Toronto/Kanada und Pigeon Forge/USA aus über eine von ihm verantwortete Internet-Homepage und durch schriftliche Publikationen, insbesondere von ihm verfassteGermania-Rundbriefe, weltweit neonationalsozialistische und antisemitische Propaganda betrieben zu haben, in welcher er unter anderem in pseudo-wissenschaftlicher Art die Massenvernichtung der Juden und die Existenz von Gaskammern im “Dritten Reich” geleugnet habe. Der rechtsextreme Hamburger-Szene-Anwalt Jürgen Rieger, selbst mehrfach wegen Volksverhetzung vorbestraft, kündigte während des laufenden Verfahrens an, die iranische Botschaft einzuschalten und eine internationale Beobachterkommission ins Gericht zu bitten; Rieger im Mannheimer Gerichtssaal: “Im Iran gibt es sehr viel mehr Meinungsfreiheit als in der Bundesrepublik.” (9)

Der Prozess gegen Zündel, so Kettukangas, sei eine “klare Inquisition”, ein “Schautribunal”. “Selbst wenn dieser Holocaust stattgefunden hätte”, so der Finne, “wären die Juden die einzigen, die sich ihre Toten bezahlen lassen und sie ohne jede moralische Scheu zum Schacherobjekt degradieren. […] Sicher nicht nur für meinen ethischen Geschmack gibt es aber kaum etwas Verunglimpfenderes und Würdeloseres, als wenn man selbst mit seinen Toten noch Handel treibt – und zwar Zinseszinshandel.” Kettukangas weiter: “Ein Finne oder auch ein Deutscher würden sich schämen, mit ihren Toten Schacher zu treiben und andere Menschen wegen deren abweichender Geschichtsauffassung ins Gefängnis werfen zu lassen, nur damit die Kasse stimmt. Deshalb, weil der ‘Holocaust’ ein riesenhaftes Geschäftsunternehmen ist, wird der Begriff ‘Holocaust’ auch wie ein eingetragenes Warenzeichen betrachtet.”

Auf Einladung von “Radio Iran” reiste 1999 der in Schweden lebende Exilmarokkaner Ahmed Rami (Jg. 1946) zu Vortragsreisen nach Teheran, wo er u. a. in der Bilal Moschee sein antisemitisches Gedankengut verbreiten konnte. Rami ist ein Bindeglied zwischen westeuropäischen und arabischen Holocaustleugnern.

Im gleichen Jahr war der in Australien lebende gebürtige deutsche Holocaustleugner Frederik Toben (Jg. 1944) in Teheran. Neben Referatsauftritten vor Studenten gab Toben “Radio Iran” ein längeres Interview. Toben ist Leiter des revisionistischen Adelaide Institute, eines der internationalen Zentren revisionistischer Propaganda. Im August 2003 nahm Toben an einer internationalen “Intifada-Konferenz” in Teheran teil.

Interviewpartner von Radio Iran waren in den letzten Jahren neben Rami und Toben u. a. die international agierenden Holocaustleugner Irving, Robert Faurisson (Frankreich), Gerd Honsik (Österreich / Spanien), Mark Weber (USA), Ingrid Rimland und ihr Ehemann Ernst Zündel (Kanada). In seinem antisemitischen Hetzblättchen Germania-Rundbrief führte Zündel über die Programmacher von Radio Islam aus: “Wir Deutschen sollten den Iranern dankbar sein für diese Hilfe bei der Befreiung unserer Heimat vom geistigen Joch der Sieger.” (10)

Im Dezember 2005 bat der in Spanien lebende österreichische Justizflüchtling Honsik (Jg. 1941) den iranischen Botschafter in der Bundesrepublik um Unterstützung für Zündel. Honsik ist Neffe des einstigen Kommandanten im NS-Konzentrationslager Plaszov bei Krakau, Amon Goeth. Der Iran, so Honsik, solle Zündel “einen Rechtsanwalt zur Verfügung stellen”, “der das Vertrauen der Iranischen Botschaft genießt, und der neben seinem juristischen Können auch vorhandenes historisches Wissen furchtlos mit einbringt”. Honsik ganz pathetisch: “Einem solchen Anwalt könnte auch das wahre Deutschland, das heute keine Stimme hat, vertrauen.”(11) Bereits 1986 wandte sich Honsik in einem “Aufruf an die arabische Welt”: “Die Entlarvung der Judenvergasung als dem größten Propagandaschwindel der Weltgeschichte und als schwerwiegendstes amerikanisches Nachkriegsverbrechen wäre heute für zwei Nationen von ungeheurer Wichtigkeit! Für das deutsche Volk, um aus der Versklavung zu erwachen, und für die arabische Welt, um Israels Aggressionskraft dort zu erschüttern, wo diese Kraft tatsächlich entspringt. Nämlich in der Sympathie und dem Mitleid, die das verführte amerikanische Volk seinen zionistischen Beherrschern entgegenbringt.” Honsik appellierte an die “arabische Welt”, uns mit Geld zu unterstützen, damit wir der US-amerikanischen Propagandalüge von der “‘Judenvergasung’ ein Ende bereiten können”. (12) Veröffentlicht wurde der Aufruf, übersetzt, in der kuwaitischen Zeitung al-Balagh. Honsik ist in rechtsextremen Kreisen nicht nur als fanatischer Judenhasser, sondern auch als “General Remers Rollstuhlführer” bekannt. Der zwischenzeitlich verstorbene Generalmajor a. D. Remer war in seiner Funktion als Kommandant des Wachregiments Großdeutschland führend an der Niederschlagung des Aufstandes gegen Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt. Nach einer Verurteilung zu einer 22-monatigen Haftstrafe Ende 1993, u. a. wegen Volksverhetzung, setzte sich der in rechtsextremen Kreisen als NS-Ikone verehrte Remer nach Spanien ab und wurde u. a. von Honsik betreut.

Im Februar 2006 verschickte Zündel-Ehefrau Rimland – via Mailingliste – ein Schreiben des französischen Holocaustleugners Robert Faurisson (Jg. 1929). Faurisson, der von Zündel als “größter lebender Revisionist” (13) verehrt wird, wurde in seinem Heimatland mehrfach wegen Holocaustleugnung strafrechtlich belangt. In der Bundesrepublik besteht gegen Faurisson ein Einreiseverbot. Gewidmet hat Faurisson sein Schreiben Hossein Amiri, einem Mitarbeiter der iranischen Nachrichtenagentur Mehr News. Die iranische Nachrichtenagentur hat in den letzten Monaten u. a. Faurisson, dem US-Amerikaner Arthur Butz und dem Kanadier Paul Fromm eine Plattform für ihr holocaustleugnendes Gedankengut gegeben. Faurisson gibt in seinem Schreiben kund, dass er mit dem iranischen Holocaustleugner Amiri, “einem eindrucksvollen Aktivisten des Revisionismus”, in regem Austausch stehe. “Revisionismus”, so Faurisson, “ist die Atomwaffe der Armen und Schwachen gegen die Große Lüge der Reichen und Mächtigen dieser Welt”, den “Holocaust an den Juden” und die Gaskammern, “die weder in Auschwitz noch anderswo existierten”. Ausdrücklich lobt Faurisson den iranischen Präsidenten, der sich an die “Vorderfront im Kampf” gegen den “Holocaust-Mythos” geworfen habe. Amiri ist auch Autor der englischsprachigen iranischen Tageszeitung Tehran Times. Am 26. Januar 2005 veröffentlichte Amiri in dieser Zeitung einen Artikel mit dem Titel Lies of the Holocaust Industry, der von “revisionistischen” Kreisen per Mailingliste weiter verbreitet wurde. Darin behauptet Amiri, dass der Holocaust nicht stattgefunden haben könne, da die “ethnische Säuberung durch den Gebrauch von Zyklon B” zu “dieser Zeit nicht möglich” gewesen sei. In der Tehran Times werden immer wieder Artikel über die “zionistische Verschwörung: die Auschwitzlüge” veröffentlicht. Auch hinter den Anschlägen von 11. September 2001 in New York steckt, so die Zeitung, eine “zionistische Verschwörung”. Seit den antisemitischen Hetztiraden des iranischen Staatspräsidenten kommen in Tehran Times verstärkt Holocaustleugner zu Wort. Veröffentlicht wurden u. a. einschlägige Interviews, die die iranische Nachrichtenagentur Mehr News zuvor geführt hatte. Unter dem Titel Historiker und Forscher unterstützen die Sichtweise des iranischen Präsidenten zum Holocaust wurden auf der Homepage von Tehran TimeseMails von Faurisson und Horst Mahler (Jg. 1936) veröffentlicht. Mahler rief im Januar 2006 die NPD in einem Schreiben, das per Mailinglisten verbreitet wurde, auf, die “Forschungsergebnisse” der “Revisionisten” “im politischen Kampf” bekannt zu machen und endlich die “Zeichen der Zeit” richtig zu deuten: “Oder will Udo Voigt warten, bis der Iran und andere moslemische Länder für uns die Kastanien aus dem Feuer geholt haben werden?”

Ingrid Rimland ist Besitzerin und Webmasterin der holocaustleugnenden Internet-PlattformZundelsite. Rimland wurde als Deutschstämmige in der Ukraine geboren, die ihre Familie 1943 mit der abziehenden Wehrmacht verlassen hat. Von der Bundesrepublik aus ist die Familie zunächst nach Paraguay, dann nach Kanada und 1967 schließlich in die USA ausgewandert. Auf der Zundelsite findet sich seit März 2006 ein Artikel namens Iran hat die Nummer der USA des US-amerikanischen Holocaustleugners Arthur Butz. Butz lobt die holocaustleugnenden Ausführungen von Ahmadinedschad, die “in ihrem Scharfblick fabelhaft” seien: “Im heutigen Iran haben wir einen mächtigen Feind einiger westlicher Tendenzen, denen sich alle kräftig entgegenstellen sollten, denen ‘Freiheit’ mehr als ein bloßes Schlagwort gilt. […] Der Iran hat unsere Nummer, und er gibt sie anderen weiter.” (14)

“Oberrabiner” Moishe Friedman in Isfahan

Am 20. März berichtete “Radio Teheran” über eine zweitägige Konferenz zum Thema Global Conference on Constructive Interaction among Divine Religions: A Framework for International Order, die zuvor am 18. und 19. März in der iranischen Stadt Isfahan stattgefunden hatte. Einer der Redner der Veranstaltung war der selbst ernannte Oberrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Österreich Moishe Friedman (Jg. 1972) aus Wien. Friedman unterhält Kontakte zu rechtsextremen Kreisen: als Interviewpartner stand er rechtsextremen Postillen wie National-Zeitung (DVU), Der Eckart oder Zur Zeit, dem österreichischen Schwesterblatt der Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit, zur Verfügung.

Die Rede von Friedman wurde im deutschsprachigen Raum zuerst auf der Homepage derPalästinensischen Gemeinde in Österreich veröffentlicht und kurze Zeit darauf von dem Wiener Islamisten, Khomeini-Sympathisanten und Rechtsextremisten Robert Schwarzbauer (alias “Martin Schwarz”) über seinen eMail-Verteiler namens eisernekrone verbreitet.

Friedman stellte sich in Isfahan einleitend als “langjährigen wahren Freund der Islamischen Republik des Iran und als Oberrabiner der strenggläubigen antizionistischen jüdischen Gemeinde von Wien” vor. Er bezichtigte den Zionismus, den Ersten und Zweiten Weltkrieg “herbeigeführt” zu haben, “mit dem Ziel eine neue gottlose Weltordnung zu verwirklichen und insbesondere die Weltwirtschaft zu beherrschen”. Die “größten Verbrecher der Welt”, so Friedman, seien das “zionistische Regime und seine geistesverwandten internationalen Organisationen”. Weiter erklärte Friedman: “Der Mut und die Opferbereitschaft, mit der sich der Iran anläßlich dieser niederträchtigen, glaubensverachtenden Karikaturen für den Propheten Mohammed eingesetzt hat, verdient große Anerkennung. Nicht zuletzt diese Glaubensstärke der iranischen Führung veranlaßt die gottlosen Mächte, den Iran als angeblichen Feind der freien Welt – und in Wahrheit Feind ihrer verbrecherischen politischen Bestrebungen – zu brandmarken.” Zu den gewalttätigen Übergriffen auf westliche Botschaften anlässlich des “Karikaturenstreites” erklärte Friedman: “Die friedlichen Demonstranten, die sich für den Propheten Mohammed einsetzten und in verschiedenen Ländern durch fremde Undercover-Sicherheitsagenten kaltblütig ermordet wurden, betrachte ich als heilige Märtyrer”. Friedman betonte, dass die “orthodoxen antizionistischen Juden” das “größte Interesse” daran haben, “daß die Tabuisierung des Holocausts und seine politische Ausschlachtung zu Ende geht und die wahren Hintergründe des Holocausts vor der Weltöffentlichkeit ausgeleuchtet werden”. “Dann”, so Friedman, “wird sich zeigen, daß die Zionisten einen großen Teil der Verantwortung für den Holocaust tragen, daß sie nicht nur versucht haben, ihn zu verhindern, sondern ihn im Gegenteil sogar provoziert haben und selbst das größte Interesse an dem Massenmord an dem frommen osteuropäischen Judentum hatten.”

Solidarität mit dem Iran

Das NPD-Parteiorgan Deutsche Stimme stufte den Iran im April 2006 als “das längst demokratischste Land der Region” ein. Der Iran, so die Deutsche Stimme, gilt als “letzter regionaler Verbündeter von Staaten und Organisationen”, “die den Kampf gegen Israel führen: Der Libanon, Syrien, die Hisbollah und palästinensische Gruppen, die ohne Unterstützung eine vielfach schwerere Position gegen Israel haben würden”. (15) Autor dieser Zeilen ist Mansur Khan (Jg. 1965), zugleich Buchautor des geschichtsrevisionistischen Verlagskomplexes Grabert/Hohenrain (Tübingen). Khan ist einer der Referenten des diesjährigen Kongresses des Deutsche Stimme Verlages (Riesa / Sachsen) der NPD. Der so genannte “4. Freiheitliche Kongress” unter dem Motto Von Nürnberg bis Bagdad – Völkerrecht statt Siegerwillkür soll an einem unbekannten Ort vom 9. bis 11. Juni 2006 in Süddeutschland stattfinden. Als Redner sind neben Khan u. a. Herbert Schweiger, ehemals SS-Untersturmführer der Division “Leibstandarte Adolf Hitler”, der Ritterkreuzträger Hajo Herrmann, einst Jagd- und Kampfflieger des Zweiten Weltkrieges und Inspekteur der deutschen Luftverteidigung, Luca Romagnoli, Europaparlamentarier und Parteivorsitzender der neofaschistischen italienischen Partei Fiamma Tricolore, Nick Griffin, Parteivorsitzender der rechtsextremen englischen British National Party (BNP), Olaf Rose, Vorstandsmitglied der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GFP), und Harald Neubauer, Mitherausgeber der rechtsextremen MonatszeitschriftNation & Europa sowie Eigentümer des Nation-Europa-Verlages (Coburg), angekündigt.

Am 11. Juni 2006 trifft die Nationalmannschaft des Iran in ihrem ersten Gruppenspiel der Fußballweltmeisterschaft in Nürnberg auf die Auswahl Mexikos. Unter dem Titel Willkommen und viel Erfolg im Frankenstadion veröffentlichten der NPD-Kreisverband Nürnberger Land und die NPD-Nachbarverbände im April 2006 eine Erklärung. Der iranische Präsident wird darin als “einer der wenigen verbliebenen, aufrechten Staatschefs” charakterisiert, “denen die Freiheit ihrer Länder und Völker noch am Herzen liegt, und die sich dem Einheitsbrei der sich globalisierenden Wirtschaft noch nicht unterwerfen”. “Seiner Standhaftigkeit”, so die Nationaldemokraten, “gilt unsere hohe Verehrung – wir und unsere Volksgenossen haben sich ja leider schon zu sehr dem American Way of Life unterworfen und die eigenen Traditionen und kulturellen Eigenschaften den US-Konzernen McDonalds und Unilever geopfert.” Die fränkischen Rechtsextremisten heißen “im Falle eines Besuches den iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad in Nürnberg recht herzlich willkommen!!! Es lebe die traditionelle Verbundenheit des deutschen Volkes mit der freien arabischen Welt!!! Möge die iranische Fußballmannschaft den Sieg auf fränkischem Boden im Nürnberger Frankenstadion gegen Mexiko davontragen!!” (16) Begeistert von den iranischen Fußballern zeigt sich auch der NPD-Landesverband Sachsen, der anlässlich der Fußball-WM verschiedene Aktionen durchführen will. Schwerpunkte sollen dabei die Verteilung von Flugblättern und die Durchführung von Informationsständen bilden. Ende März 2006 erklärte der stellvertretende sächsische NPD-Landesvorsitzende Holger Apfel: “Mit unseren Aktionen wollen wir vor allem die Fußballmannschaft des Iran zu ihrem am 21. Juni in Leipzig stattfindenden Spiel im Freistaat begrüßen. Angesichts der täglichen Hetze gegen Teheran und nicht zuletzt auch durch die erfolgte Nutzung des Flughafens Leipzig als Drehkreuz für Waffentransporte in internationale Krisengebiete, wollen die sächsischen Nationaldemokraten ein bewußtes Zeichen der Solidarität mit einem Volk setzen, das wohl in nicht allzu ferner Zukunft mit einem brutalen Militärschlag der USA und ihrer Verbündeten rechnen muß, weil es sich dem Diktat des angeblich ‘freien Westens’ nicht unterordnen will.” Apfel abschließend: “Wir Nationaldemokraten freuen uns auf den Iran, wünschen der Mannschaft viel Erfolg und sagen: Herzlich Willkommen in Leipzig!” (17)

Solidarität mit dem Iran bekundet auch Gerhard Frey, Bundesvorsitzender der in den Landesparlamenten von Bremen und Brandenburg vertretenen Deutschen Volksunion (DVU), der mitgliederstärksten rechtsextremen Partei in der Bundesrepublik. In der von ihm herausgegebenen National-Zeitung, dem wöchentlich erscheinenden DVU-Sprachrohr, schrieb Frey im Frühjahr 2006: “Es gibt keinerlei echte Interessengegensätze zwischen dem iranischen und dem deutschen Volk. Wir waren immer Freunde und wollen Freunde bleiben. So dumm kann kein Mensch sein, dass er atomare Angriffe aus dem Iran gegen Deutschland fürchtet. Wenn aber Merkel und ‘Bild’ ihren antimuslimischen Kurs fortsetzen, sind Gegenschläge beispielsweise durch Selbstmordattentäter etwa in Berlin, Hamburg, München usw. früher oder später nicht auszuschließen.” Frey weiter: “Mit welchem Recht will Merkel dem Iran die Atomforschung verbieten? Mit welchem Recht tritt die Bundeskanzlerin als Herrscherin des Weltgeschehens auf? Teheran will sein Land gegen atomare Übergriffe schützen, wie sie seitens der USA und Israels von Zeit zu Zeit angedroht werden. Hiroshima und Nagasaki wurden ja nicht deshalb ausgelöscht, weil Japan sich mit atomaren Waffen hätte verteidigen können, sondern weil es wehrlos diesem grauenhaften Holocaust ausgesetzt war.” (18) Auch an anderer Stelle ergreift Frey in der “National-Zeitung” Partei für den Iran. Die Bundeskanzlerin, so Frey, “versucht nicht, Deutschland aus Konflikten herauszuhalten, sondern stürzt unser Vaterland in schreckliche Konfrontationen und schafft uns Todfeinde, wo es früher nur Freunde und Sympathisanten gab. Merkel schlägt den annähernd 1,5 Milliarden Mohammedanern ihre ständigen Liebeserklärungen und allumfassenden Unterstützungsmaßnahmen für Israel als Kriegserklärung auf den Kopf.” Frey weiter: “Während die Entrechtung beispielsweise der Palästinenser keine Grenzen kennt, Millionen Unglückliche systematisch verelenden und noch weit unterhalb der Armutsgrenze dahinvegetieren, stiftet Deutschland an Israel zuerst drei modernste U-Boote, die mittlerweile mit Atomwaffen ausgestattet sind, und demnächst zwei weitere U-Boote, diesmal mit einem Rabatt von Hunderten Millionen Euro.” (19)

Unter dem Motto Solidarität mit dem Iran – Gegen die One-World-Diktatur der USA fand am 18. März 2006 im bayerischen Grafenwöhr eine Demonstration der Autonomen Nationalisten Schwabach statt. 60 Neonazis, darunter zahlreiche Aktivisten der verbotenen Neonazi-TruppeFränkische Aktionsfront (F.A.F.) fanden sich vor Ort ein. Redner waren die bundesweit bekannten Neonazis Christian Worch, Hartmut Wostupatsch und Philipp Hasselbach, bayerischer Landesgeschäftsführer der Jungen Nationaldemokraten. Michael Geissler, ehemals Pressesprecher der NPD Franken, übermittelte den Demonstrierenden ein Grußwort von Mahler, der aus Termingründen nicht an der Demonstration teilnehmen konnte. Angeführt wurde die Demonstration mit einem Transparent, das die Aufschrift Solidarität mit dem Iran – gemeinsam gegen Zionismus und US-Imperialismus trug. Mit Sprechchören wie “Nie wieder Israel, “Solidarität mit dem Iran”, “Zionisten – Mörder und Faschisten” oder “Völker macht euch frei – von der One World Polizei” zogen die Neonazis durch die Straßen von Grafenwöhr. Mitgeführt wurden Plakate mit dem Porträt des iranischen Präsidenten auf grünem Hintergrund und dem Aufdruck “Er hat recht!”. Grafenwöhr ist eine der größten US-amerikanischen Air-Basen in der Bundesrepublik. “Somit”, so hieß es in einem Demonstrationsaufruf, der im neonationalsozialistischen Wikinger-Forum veröffentlicht wurde, “gibt es keinen besseren Ort um gegen Kriegstreiberei und US-Imperialismus zu demonstrieren. […] Wir bekennen uns als revolutionäre Nationalisten zur Freiheit der islamischen Völker und solidarisieren uns mit diesen im Kampf gegen den US-Imperialismus! Natürlich treten wir auch entschieden gegen die Islamisierung Europas ein, aber jetzt heißt es Aufstehen gegen den One World Terror aus Amerika! Wir fühlen uns solidarisch mit jedem freien Volk der Welt, das von den westlichen Weltherrschaftstruppen der USA angegriffen oder bedroht wird, da wir selbst den Wunsch in uns tragen, ein freies Volk zu sein. Somit gilt unsere Solidarität auch dem Iran!” (20)

Für den “Tag X”, an dem zwischen dem Iran und den USA militärische Auseinandersetzungen beginnen sollten, ruft der Nationale Widerstand zu Aktionen in der Bundesrepublik auf. In einer Erklärung namens Für die Freiheit aller Völker – Aktionen am Tag X, die auf diversen Neonazi-Homepages abrufbar ist, ist zu lesen: “Der Iran gilt als das Symbol der freien Welt, weil die dortige Staatsführung eine unabhängige Politik betreibt und sich weder politisch noch wirtschaftlich den Weltherrschaftsplänen einer kleinen Globalisierungsclique, angeführt von den Schurken aus der Wallstreet, beugen will. […] Auch für uns Deutsche heißt es Aufstehen gegen diesen Oneworldterror aus Amerika!” Die Neonazis hoffen, “dass sich möglichst viele Mitkämpfer diesem Protest anschließen und für den ‘Tag X’ vorbereitet sind”. (21)

“An der Frage ‘Für oder Gegen Iran’”, so der szenebekannte rechtsextreme Publizist und frühere NPD-Chefideologe, Jürgen Schwab, “läßt sich künftig die Spreu vom Weizen trennen.” (22)

Anmerkungen

1) Phoenix 1/2006, S. 19.
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2) Zit. nach Huber, Markus: Justizias Goldwaage, in: Tagesspiegel, 22. Februar 2006.
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3) http://unglaublichkeiten.com/unglaublichkeiten/htmlphp2/u2_1 583Itner.html.
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4) Die Bauernschaft 1/1980, S. 73.
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5) Vgl. dazu: VHS-Video “Geheimgesellschaften”. Sternentorverlag, Wasserburg/Bayern.
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6) Mitteilungen der GFP 3/2000, S. 10.
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7) Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg 2001, S. 63.
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8) http://german.irib.ir/files/interviewsinterview107.asp.
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9) Mannheimer Morgen, 9. März 2006.
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10) Germania-Rundbrief 249, 13. Dezember 1999, S. 3.
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11) http://www.stoertebeker.net/blog/?p=2194.
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12) Halt, September 1986.
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13) Verfassungsschutzbericht des Landes Niedersachsen 1998, S. 44.
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14) http://www.zundelsite.org/zundel_persecuted/mar27-06-butz.html.
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15) Khan, Mansur: Militärisches Ziel: Regimewechsel. Bereitet sich die Bush-Regierung auf einen Krieg gegen Iran vor?, in: Deutsche Stimme 4/2006, S. 23.
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16) http://www.npd-nuernbergerland.de/12042006.htm.
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17) Mail-Rundschreiben des NPD-Landesverbandes Sachsen v. 30. März 2006.
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18) Frey, Gerhard: Überfällt Bush den Iran? Merkel führt Deutschland in die Konfrontation, in:National-Zeitung 12/2006, S. 4.
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19) Frey, Gerhard: “Sind die Moslems wirklich unsere Feinde?”, in: National-Zeitung 8/2006, S. 3 f.
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20) http://www.wikingerversand.de/ eingesehen am 12. März 2006.
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21) http://www.freier-widerstand.net/index.php?id=857.
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22) http://www.stoertebeker.net/blog/?p=2472.

Autor:

Anton Maegerle
Die iranische Rechtsextremisten-Connection

Ersterschienen im Vierteljahresheft Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums (Frankfurt am Main). 2. Quartal 2006, Heft 178. Hier: ergänzte Fassung.

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