Freie Presse| Des Killers guter Kern


Siegfried Mundlos, Vater des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, sieht seinen Sohn als Opfer.

Foto: Andreas Gebert/dpa

Des Killers guter Kern

Wie sie wurden was sie sind? Dieser Frage zu den Mitgliedern des Terror-Trios versucht man im Münchner NSU-Prozess auch mithilfe besonderer Zeugen nachzugehen: den Eltern der mutmaßlichen Täter. Dass die aber eine ganz eigene Sicht haben, liegt auf der Hand.

München. Annerose Zschäpe, die Mutter der Angeklagten Beate Zschäpe hatte es leichter, zumindest im Gerichtssaal. Da die Tochter ihr lebendig gegenübersaß, durfte sie die Aussage verweigern. Ein Recht, das den Eltern von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, der beiden toten Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, nicht zuteilwird. Am Ende ihrer zwei Tage währenden Aussage bat Brigitte Böhnhardt um Verständnis dafür, dass sie sich an jede „Möglichkeit klammere, dass es vielleicht doch nicht so war“. Dass ihr Sohn doch nicht das Monster ist, das die Welt in ihm sieht. Die Familien der Opfer könnten trauern. „Jedes Mal, wenn ich versuche zu trauern, steigt zugleich das Entsetzen über die Taten hervor, die er begangen haben soll.“

Mutter sponserte Bomberjacke

Das erste NSU-Prozessjahr schloss mit einer Provokation, als der Vater von Uwe Mundlos, Informatik-Professor Siegfried Mundlos, den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl abwatschte – mit dem unvollendeten Satz: „Sie sind ein kleiner Klugsch…“. Der nicht für Einfühlsamkeit berühmte Vorsitzende wahrte die Fassung, doch machte Opferanwalt Alexander Hoffmann später im Namen mehrerer Hinterbliebener klar, was von Mundlos‘ Aussage zu halten sei. In „ein geschlossenes Vorstellungsbild“ habe sich der Zeuge „hineingearbeitet“, das seinen Sohn als „unschuldiges Opfer fehlgeleiteter Polizeiarbeit“ darstelle, „verleitet von V-Leuten des Verfassungsschutzes“, der „nur aus Freundschaft“ mit in den Untergrund gegangen sei. „Sein eigenes Versagen bei der Erziehung seines Sohnes“, könne der Zeuge nicht reflektieren, fand Hoffmann.

Doch sind es nicht nur Mundlos‘ Eltern, die nicht verstehen können oder wollen, wie „ihr Uwe“ solchen Hass entwickeln konnte. Jener Uwe, der einst liebevoll seinen behinderten Bruder Robert im Rollstuhl umherschob, der statt der Hasslieder rechtsextremer Bands früher andere Musik hörte: Udo Lindenberg etwa, dessen großer Fan er war. Das Lied „Sonderzug nach Pankow“ habe Uwe Mundlos zu DDR-Zeiten sogar nah der Schule auf der Straße gespielt, erinnerte sich ein Freund, der Mundlos seit der ersten Klasse kannte: Systemkritik mit dem Kassettenrekorder. Ein anderer Freund berichtete, dass es zwar auch früher mal Schlägereien gegeben haben mochte, dass aber stets ein Ehrenkodex befolgt worden sei. Nie habe er gesehen, dass Mundlos auf jemanden eintrat, der bereits am Boden lag.

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